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Nissonvággijohka - Peiggaluoppal
Tourtag 3 und 4 / 05. und 06. September 2009

05. September

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Auch am nächsten Morgen hatte sich das Problem der Flussquerung, wie erwartet, nicht von allein gelöst. Das Wasser sah schon von oben tief und stark strömend aus. Dafür hatte es aufgehört zu regnen, Nebel zog aus dem Tal Bessesvággi hinauf.
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Nachdem wir zunächst den Abhang hinunter glaufen waren um direkt am Fluss eine geeignete Stelle zum waten zu finden, blieb uns wenig später nichts anderes übrig, als die ca. 20 – 30 Meter wieder hinauf zu klettern. Dichtes Gestrüpp machte es unmöglich am Flussufer weiter zu laufen.

Eine Stunde weiter aufwärts in Richtung Nissonvággi fanden wir endlich eine Stelle zur Flussquerung. Wir befanden und jetzt in etwa dort, wo der Bach mit dem Schmelzwasser des Guhkesriehppi in den Nissonvággijohka fließt. Die erste Hälfte schafften wir ohne die Trekkingstiefel ausziehen zu müssen, dann führte allerdings kein Weg mehr daran vorbei die Schuhe zu wechseln und durch das wadentiefe Wasser zu stapfen.

Diese Stelle schien schon jemand anders als geeignet empfunden zu haben, denn ein Steinmännchen markierte die Stelle, wo das Wasser etwas weniger stark floß, nicht mehr so tief war und kaum große Steinbrocken unterhalb der Wasseroberfläche lagen.

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Auf der anderen Seite stiegen wir den Abhang wieder hinauf (er war nicht ganz so hoch und steil wie auf der anderen Seite) und liefen schließlich direkt hinunter ins Bessesvággital, immer entlang des Nissonvággijohka. Irgendwann mussten wir ja so auf den Wanderweg von Kaisepakte stoßen und wir kamen überraschend gut voran. Etliche Rentiergeweihe lagen hier herum.

Eine halbe bis dreiviertel Stunde später erkannte man ein deutlichen Pfad. Wir freuten uns und vermuten, dass dies der Weg der nach Kaisepakte führt, sein musste. Es war Zeit für die Mittagsrast. Lt. Karte sollte es hier Buschvegetation geben, die das gehen behindert. Mmmh, oder hatten wir doch nur den Pfad wiedergefunden, den wir gestern verloren hatten? Egal, so oder so würden wir jetzt dem gut sichtbaren Weg folgen. Nach wenigen Metern schoben wir uns auch schon durch die eben erwähnte Buschvegetation. Hurra! Wir waren wieder auf Kurs!

Der Boden zwischen dem Buschwerk war durchzogen mit größeren Felsen, war vom Regen aufgeweicht und dementsprechend matschig. Aber es ging, musste gehen. Und so erreichten wir einen Aussichtspunkt, von dem man über den See Rautasjaure und ein grandioses Flussdelta blicken konnte.

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Wir folgten unserem markierten Pfad weiter, immer wieder waren frische Fußspuren im Matsch zu erkennen. Es ging häufig durch das hinderliche Buschwerk und wir mussten aufpassen, uns in den tiefen Pfützen keine nassen Füße zu holen. Hinter dem Bach Báhkkabahoknjira gabelte sich der Pfad. Eigentlich mussten wir etwas aufwärts gehen, aber der Pfad zuvor verlief auch mal aufwärts, mal abwärts, je nach Gelände. So entschließen wir uns, den besser sichtbaren und auch durch Steinmännchen markierten Weg zu folgen. Außerdem waren dort weniger Büsche.

Es ging abwärts, weiter abwärts und noch weiter abwärts. Die Büsche wurden größer und schließlich standen wir im Wald. Ahaeffekt – das war nicht der richtige Pfad gewesen. Immerhin waren die Fußspuren noch gut zu erkennen. Also folgten wir ihnen auch durch niedergetrampeltes Gras, durch Sumpf, umgestürzte Bäume und über Bäche. Wir waren nicht oben am Berg, wo der eigentliche Wanderpfad entlangführt, sondern irgendwo im Tal zwischen dem Wanderpfad und dem Fluss Aliseatnu. Wir kamen auf eine Lichtung, ein Wanderpfad war wieder deutlich zu erkennen und ein großer Steinhaufen markierte den Weg. Wir liefen weiter und der Weg gabelte sich. Mein Mann nahm den einen Pfad ich den anderen. Wir trafen uns wieder auf der Lichtung und beschlossen den Linken zu nehmen, weil dieser auf den ersten Blick besser „ausgetreten“ aussah.

Der Untergrund wurde mooriger und nasser. Das Wasser lief zwar noch nicht über den Schaft der Schuhe, aber mein Goretex hatte genug und ließ das Wasser nun auch von außen durch. Nun war es auch egal, ob ich versuchte weiterhin die größeren Grasbüschel im Wasser oder Äste zu treffen. Die Schuhe und die Füße waren schon nass. Am dritten größeren Bach machten wir nochmal eine Pause, kochten Kaffee und Tee. Während wir die Getränke schlürften waren wir dankbar, dass der Sommer vorbei war und sich keine Mücken mehr blicken ließ. Die wären hier sicherlich eine Plage gewesen.

Wir gingen noch ein Stück, die Fußabdrücke der Person die vor uns hier entlang gelaufen war, waren meist nicht mehr zu sehen – vielleicht folgten wir jetzt Elchen? Ein Blick auf die Uhr sagte uns, dass wir nicht mehr viel Zeit hatten. Eigentlich wollten wir die Rasthütte Peiggaluoppal erreichen. Aussichtslos. Wir hatten noch nicht einmal die Renvaktarstuga Vuopmegeahci gesehen, die an einem quer verlaufenden Wanderpfad liegt, den wir hätten treffen müssen! Dieser Weg verbindet das Tal in dem wir liefen mit dem Tal Visttasvággi, von dort kann man dann weiter zum Kebnekaise wandern. In mir keimte langsam Panik auf – schreckliches Gefühl –, seit Stunden hatten wir nur Wald gesehen. Mein Mann blieb dank meiner Panik ruhig und gelassen. Wir waren erschöpft und hungrig, weit und breit kein Ort, an dem wir hätten das Zelt aufstellen können. So versuchten wir den Berg senkrecht hinaufzulaufen um den Pfad wieder zu finden – ich war ja der Meinung, das ist zu gefährlich – aber ich hatte ja eh schon mit der Panik zu kämpfen. Je höher wir kamen, umso steiler und undurchdringlicher wurde es. Dann doch die andere Variante, die höchstwahrscheinlich nass sein würde. Wir liefen nun auf direktem Weg in Richtung Fluss hinunter um dessen Verlauf zu folgen. So müssten wir auch auf den anderen Wanderpfad stoßen – soweit die Theorie. Wir brauchten gar nicht weit zu gehen und schon stießen wir auf eine neue Lichtung. Der Boden war fest und relativ eben, ein Pfad verlief dort. Mein Mann überzeugte mich, noch nicht das Zelt aufzustellen und stattdessen den Pfad noch ein paar Meter zu folgen. Ich hätte ihn umbringen können! Aber er sollte Recht behalten. Keine 5 Minuten später sahen wir das Dach der Renvaktarstuga.

Während wir noch damit beschäftigt waren unser Zelt aufzubauen, kam ein junger Mann auf uns zu. Er fragte auf Schwedisch, ob wir seine Freunde gesehen hätten, einen Mann und eine Frau. Sie hätten sich auf dem Weg hierher getrennt und schließlich aus den Augen verloren oder umgekehrt. Wir musstem ihm leider diesen Hoffnungsschimmer nehmen. Hatten wir doch seit zwei Tagen keine Menschenseele mehr gesehen. Er erzählte weiter, dass er dem Pfad gefolgt sei und irgendwann im Wald unten im Tal rausgekommen sei und sich dort durchgeschlagen hätte … womit auch geklärt wäre, wessen Spuren wir gefolgt waren. Er wollte dann an der Brücke am Fluss auf seine Freunde warten, wir könnten ihnen das ausrichten, wenn wir sie sehen. Er wollte noch eine Nachricht in der Kåta oben am Berg hinterlassen.
Bevor wir anfingen zu kochen und uns ein wärmendes Feuer anzündeten, auch damit die Schuhe wieder etwas trocknen konnten, wurde es dunkel.

06. September

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Die Tour begann mit einem kurzen, aber steilen, Anstieg zur Kåta. Wir hielten uns links, überquerten unter Zuhilfenahme größerer Steine den Bach, kämpften uns nochmals kurz durch Buschwerk und konnten schließlich die Wanderung im zügigen Tempo fortsetzen. Wir kamen gut voran und kämpften uns nur noch selten durch Buschwerk. Der Wanderpfad war gut zu erkennen. Immer wieder erhielt man großartige Aussichten auf die Bergwelt und das breite Tal.

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Innerhalb kurzer Zeit erreichten wir den Anfang der Seenkette unterhalb Adnjetjårro. Geröllhügel waren zu sehen, eine Rentierherde graste in einiger Entfernung. Unser Weg führte direkt an ihnen vorbei. Der Weg verlief nun im Großen und Ganzen ziemlich eben, hin und wieder über die zuvor erspähten Geröllhügel. Wobei Geröll übertrieben war, Kies wäre die bessere Bezeichnung gewesen, mit seltenen größeren Steinen. Dementsprechend einfach und ohne Stolpersteine war der Weg.

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Schließlich erreichten wir eine Art Kreuzung. Zum ersten Mal seit der Lapporten sahen wir Bohlenstege übers Moor verlaufen. Irgendwo hier hätte doch jetzt lt. Karte die Raststuga Peiggaluoppal sein müssen. Es war zwar erst früher Nachmittag, aber ein Ofen und ein festes Dach überm Kopf war nicht zu verachten, zumal es immer wieder leichte Regenschauern über uns herzogen. „Lass uns mal schauen, was hinter dem Hügel ist“, sagte ich zu meinem Mann, denn ganz grundlos wird die Markierung dort nicht angebracht worden sein. Also widerstanden wir den verführerischen Bohlenstegen und liefen über Felsen den Hügel hinauf. An einem See, dem Bieggaluoppal stand sie, die Raststuga. Wir mussten nur noch geschätzte 300 m zurücklegen um sie zu erreichen.
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Viel Holz war nicht mehr vorhanden, aber es reichte vollkommen aus und wir ließen noch genügend übrig für die nächsten Wanderer. Schnell wurde der Ofen angezündet. Die nasse Kleidung getrocknet und wenn man schon mal dabei war, eine gründliche Wäsche von sich selbst und ein paar Wäschestücken durchgeführt. So lies es sich aushalten!

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Am späten Nachmittag erschien dann plötzlich ein Mann in der Tür. Wir begrüßten ihn und seine Begleiterin. Schnell stellte sich heraus, dass wir Landsleute waren und unterhielten uns etwas. Sie waren etwas älter und hatten schon einige Trekkingtouren unternommen - wobei sie schon mehrfach durch die Lapporten wandern wollten. Hatten jedoch jedes Mal die Abzweigung verpasst und seien immer in Kaisepakte herausgekommen. Das letzte Mal wäre die Lapporten schon mit Schnee bedeckt gewesen.

Von ihnen erfuhren wir auch, dass er Weg, den wir am Vortag verloren hatten, nicht einfach zu gehen sei. Allerdings hatten die beiden eine ältere Wanderkarte auf der wir sahen, dass es vor einigen Jahren von der Renvaktarstuga zur Rautasjaurekåtan einen Wanderpfad mit Brücken über die größeren Flüsse gegeben hatte. Auf unserer Karte war davon nichts mehr zu erkennen, noch nicht einmal mehr die Brücken – gesehen hatten wir auch keine. Aber immerhin wussten wir jetzt, dass wir uns insbesondere auf den Lichtungen mit den großen Steinhaufen, auf dem alten Pfad bewegt hatten.

Wir zeigten die Stelle, wo wir den Nissonvággijohka durchwatet hatten. Allerdings konnten wir auch nicht beschreiben oder erklären, wo genau der Weg zur Lapporten zu finden ist und erzählten das Erlebte.

Diese Nacht verbrachten wir in der warmen Hütte und am Morgen drauf war sogar unser Zelt wieder trocken, dass wir zu diesem Zweck über die Leinen gehangen hatten. Spät abends, als es anfing zu dämmern, hörten wir laute Rotorgeräusche. Nicht weit entfernt von der Raststuga landete ein Helikopter. Ohne den Rotor auszuschalten verweilte er dort kurz und flog im letzten Tageslicht zurück nach Abisko.

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