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Käringsjövallen - Rogen Süd
Tourtag 1 und 2 / 21. bis 22. Juni 2009

Irgendwann und irgendwo fand sie für jeden Tourenwanderer einmal statt, die erste Mehrtageswanderung. Diese ist unsere!

Über zwei Tische des Rastplatzes am Klingforsen, nur wenige Kilometer von Idre entfernt, stapelten sich Lebensmittel, Bekleidung und andere Gegenstände, wie z. B. die Schlafsäcke, Zelt, zwei Kocher, Spiritus, etc., die wir auf unserer ersten längeren Trekkingtour für notwendig erklärten.
„Das soll alles in den beiden Rucksäcken verstaut werden können?“ Ungläubig standen wir vor dem „Berg“. Es half nichts, auch nach einer weiteren kürzeren Überlegung (schließlich hatten wir zu Hause alles sorgfältig geplant und auch mit abgespeckter Ausrüstung schon zwei Wanderungen unternommen, die mehrere Stunden dauerten  – was wir irrtümlicher Weise als ausreichendes Training bezeichneten) machten wir uns daran, die vielen Dinge zu verstauen. Bekleidung und verschiedene Lebensmittel wurden in extra Plastiktüten gepackt, um sie vor evtl. Nässe besser schützen zu können.

Alles wurde fein säuberlich zusammengepresst und in die Rucksäcke gestopft, bis dann zum guten Schluss nur noch die Iso-Matten und das Zelt übrig blieben, die außen am Rucksack befestigt wurden. Ordentlich transportfähig verpackt wurde unsere Ausrüstung wieder ins Auto verfrachtet und die letzten Kilometer nach Käringsjövallen zurückgelegt.

Im Autoradio trällerte immer wieder Thom Pace „Wear The Sun In Your Heart“ und „Maybe“ … die Titelmusik zu “Der Mann in den Bergen”, während der frische Fahrtwind durch die offenen Fenster für etwas Abkühlung sorgte. Es war die Einstimmung auf unser Zielgebiet.
… „deep inside the forest there's a door into another land“ … Ein Jahr zuvor hatten wir eine Tagestour zur Rogenstugan gemacht und waren überwältigt von der Landschaft und der Stille. Es war alles so friedlich gewesen, wir fühlten uns, als hätten wir eine andere Welt.

Wir waren uns einig, wenn es ein Paradies gibt, dann muss es genau hier sein. Und so kam, was kommen musste, die Entscheidung, wo unsere erste Trekkingtour stattfinden sollte, wurde gefällt - ganz spontan, in vollkommender Stille, die nur durch ein paar Vögel und den Wind in den Bäumen „gestört“ wurde, am vor uns liegenden, vereisten See Rogen, in den wärmenden Strahlen der Sonne. Es musste einfach traumhaft sein, hier zu wandern. Mit diesem Bild vor Augen erreichten wir den Parkplatz in Käringsjövallen.

Die Realität:
21. Juni 2009


“Uff”, mit Schwung wurde der Rucksack hochgewuchtet, Brust- und Hüftgurt geschlossen, die Fototasche vor den Bauch geschnallt, die Wanderstöcke gepackt und … hätte gedacht, es drückt mehr … war gut zu ertragen … jetzt noch …

ES GEHT LOS …. ROGEN, WIR KOMMEN!!!

Gegen 15:00 Uhr wanderten wir los. Nach kurzer Zeit drückten die Schultergurte doch schon etwas und so machten wir öfters mal eine kurze Rast. Während dieser kurzen Pausen sammelten sich hunderte von Mücken um uns herum. „Sieben auf einen Streich“, das konnten wir locker überbieten! Dank der Kappen mit Moskitonetz und der fast durchstich sicheren Kleidung war das alles halb so wild. Wir hatten vorher schon geahnt, worauf wir uns einlassen würden und hatten uns vorbereitet.

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4 Stunden später, gegen 21:00 Uhr, erreichten wir nach zahlreichen Pausen erschöpft die ca. 10 km vom Parkplatz entfernte Rogenstugan. Wir waren ganz allein, die STF-Hütte noch geschlossen. Nur der Notraum konnte betreten werden.
Gut, das wir auch die Chemiekeule gegen Mücken dabei haben. DEET in verschiedenen Varianten und Konzentrationen von 30 %, 40 % und 50 %. Reste davon sind beim Sondermüll zu entsorgen, auf keinen Fall in den normalen Hausmüll geben. Aha … wir sprühten uns dennoch die Hände ein und konnten so wenigstens ohne zerstochene Hände das Zelt aufbauen.
Anscheinend hatte es sich herumgesprochen, dass wir am Rogen sind und so surrte die gesamte Mückenpopulation des Gebiets um uns herum.

Kochen brauchten wir nicht, unsere warme Mahlzeit hatten wir schon am Klingforsen zu uns genommen. So gab es im mückenfreien Notraum der Hütte ein paar Brote zu leckerem frischem Wasser aus dem Rogen.
Perfekt zum ersten Abend bot sich uns der See von seiner schönsten Seite. Ruhige, leicht gewellte Wasseroberfläche zu einem fantastischen Sonnenuntergang.
Allerdings hatte die Motivation stark abgenommen. Die Tour … bisher gerade mal 10 km … war anstrengender als wir erwartet hatten. Die vielen Hügel, der steinige Untergrund und nicht zuletzt die schweren Rucksäcke zehrten an unseren Kräften. Wollten wir das wirklich durchziehen oder doch besser aufgeben, solange wir noch die Möglichkeit hatten?

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22. Juni 2009:

Nein, wir haben nicht gekniffen ... zugegeben, hätte mein Mann gesagt, wir gehen wieder zurück, hätte ich ihm ausnahmsweise mal keine Widerworte gegeben.

Wir erwachten relativ früh am Morgen des 22. Juni. Der Grund war die Hitze. Die Sonne schien nun schon seit ein paar Stunden auf unser Zelt und heizte es auf. Zahlreiche Mücken klebten an der Innenseite des Außenzeltes im Kondenswasser. Genügend flogen aber auch noch herum, aber längst nicht mehr so viele wie am Abend zuvor. Unser Frühstück nahmen wir dennoch in Ruhe und ohne Plagegeister im Notraum der Rogenstugan zu uns. In dieser Zeit konnte das Zelt weiter abtrocknen.

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Nachdem alles wieder verstaut war setzten wir unsere Tour fort. Nach zwei Kilometern war die Kreuzung erreicht, an der wir die endgültige Entscheidung treffen mussten. Wir nahmen Weg zum Tandsjövållen. Der endlos blaue Himmel wich dunklen Regenwolken. Schnell zogen wir die Regenkleidung über, aber nach kurzer Zeit war aber alles wieder vorbei. Es hätte gern noch etwas länger regnen können, der Regen hatte die Mücken vertrieben. Wo war nur der Wind, der uns bei allen anderen Schwedenaufenthalten vor den Plagegeistern geschützt hatte?
Es folgte der lange und für uns anstrengende Aufstieg zum knapp 1000 m hohen Tandsjövållen mit zahlreichen Verschnaufpausen. Was machten wir hier eigentlich, hatten wir nicht Urlaub? Anstatt uns irgendwo hinzulegen und zu erholen, gingen wir bis an unsere Grenzen und schleppten einen etwas über 20 kg schweren Rucksack bei schwüler Umgebungsluft einen Berg rauf!

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Oben angekommen, wussten wir wieder, warum man solche Anstrengung freiwillig auf sich nimmt. Die Aussicht war fantastisch! Wohin man schaute nur Natur. Berge, Wald und Seen. Nebenbei durften wir live erfahren, wie schnell sich das Wetter am Rogen ändern kann, gelesen hatten wir davon schon zu Hause. Schien eben noch die Sonne, war es wenig später bewölkt und ein kräftiger Regenschauer zog entlang der weit entfernten anderen Seite des Sees, dann über die Rogenstugan weiter Richtung Tännäs. Wir selbst bekamen nur wenige Tropfen ab. Nur kurze Zeit später wieder strahlend blauer Himmel.
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Am Gipfel des Tandsjövållen begegneten uns zwei andere Wanderer, die in uns entgegengesetzter Richtung liefen. Auch sie hatten große Rucksäcke, bewegen sich aber leichtfüßig, als wenn sie nichts auf den Schultern hätten, den steinigen Weg entlang.
Wir selbst machten eine längere Pause und genossen die Aussicht, währenddessen verlegten wir unser Tagesziel um ca. 4,5 km nach vorn. Der Anstieg hatte uns wieder viel Kraft gekostet und der letzte Abschnitt zum Windschutz am südlichen Ende des Rogens zog sich in die Länge. Als wäre das schon nicht genug gewesen, sah man gar nicht so weit entfernt dunkle Wolken und hörte Donnergrummeln.

Letzteres mobilisierte ungeahnte Kraftreserven. Wir konnten uns besseres vorstellen, als am Berg, zwischen Felsblöcken und vereinzelten Bäumen mitten in einem Gewitter zu stehen. Ohne weitere Pausen ging es die letzten 3 Kilometer bis zum Windschutz am Rogen weiter.
Ganz in der Nähe des Windschutzes gab es einen Zeltplatz mit Feuerstellen. Unser Zelt schlugen wir gleich nach der Ankunft auf, das Gewitter zog währenddessen in weitem Bogen um uns herum. Das Abendessen nahmen wir dennoch im Zelt zu uns, da wir auf zusätzliche Proteineinlagen dankend verzichteten.

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