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Rogen Süd - Sylen
Tourtag 3 und 4 / 23. bis 24. Juni 2009

23. Juni 2009:

Auch diesmal wachten wir wieder früh auf. Weniger weil es im Zelt wieder so heiß war, sondern weil wir am Abend zuvor früh eingeschlafen waren. Früh heißt zwischen 7:00 Uhr und 8:00 Uhr.

Den Weg zur Storrödtjärnstugan legten wir mit nur einer Pause zurück. Bei der Gelegenheit füllten wir unsere Flaschen auf. War das Wasser aus dem Rogen bei der Rogenstugan klar und frisch gewesen, schmeckte es am südlichen Ende eher moorig. Aus dem Bach war es auch nicht besser – wie auch, der Bach floss in den Rogen … Dafür war das Wasser etwas kälter.
Wir kamen im Vergleich zu den Vortagen wesentlich schneller voran. Der Weg war weniger steinig und führte einen Großteil über Holzstege durch sumpfiges Gelände. Auf dem Holzsteg hatte es sich eine Natter bequem gemacht, die sich von uns nicht stören ließ. So mussten wir ein paar Schritte durch den Sumpf gehen, dass an dieser Stelle zum Glück nicht besonders feucht war.

Am frühen Mittag erreichten wir die Storrödtjärnstugan. Rückblickend betrachtet wäre der Abschnitt vom Windschutz bis zu dieser STF-Stugan durchaus am Vortag noch zu bewältigen gewesen, denn die Wanderung hierher war nicht besonders anstrengend.

Auf der anderen Seite waren wir diesen Teil ausgeruht und regeneriert angegangen und die Kondition im Allgemeinen hatte sich durch die bisher zurückgelegten Kilometer sicherlich auch verbessert.

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Wir nutzten die Gelegenheit für ein kurzes Bad im kalten Wasser des dafür vorgesehenen Sees bei der Storrödtjärnstugan. Außerdem konnten wir hier oben unsere Trinkwasserreserven wieder mit frischem sowie klarem „nicht-Moor-Wasser“ auffüllen.
Die gemütliche Hütte, genauso aufgebaut wie die Rogenstugan, lud dann zum Mittagessen auf richtigen Bänken und einem richtigen Tisch ein. Der Himmel war bewölkt und die Temperaturen etwas niedriger wie die Tage zuvor, es war auch bei weitem nicht mehr so schwül. Ausgeruht und gestärkt wanderten wir weiter.

Aus dem einfach zu gehenden Weg wurde ein steiniger Pfad. Man musste bei jedem Schritt aufpassen wo man hintrat um nicht umzuknicken oder zu stürzen, ebenso waren Geröllhalden zu überqueren. So brauchten wir länger für die drei Kilometer bis zum Slagusjön als erwartet.
Wie vorgesehen kochten wir uns in der Rasthütte Kaffee und Tee, dazu gab’s Kekse mit Schokoladenfüllung. Inzwischen war der Himmel wieder aufgeklart und die Sonne kam raus. Das Wasser im See dort war bis auf die Millionen toten Mücken auf der Oberfläche glasklar und herrlich kalt. Die Mücken schienen alle ertrunken zu sein, jedenfalls lies sich keine blicken … bis zum Abend.

Wir beschlossen kurzerhand in der Hütte zu übernachten, da wir davon ausgingen, der Weg zum nächsten Windschutz am Hävlingen wäre ebenso schwer zu gehen wie der von der Storrödtjärnstugan zum Slagusjön. Dann würden wir vor 20:00 bis 21:00 Uhr nicht am Tagesziel ankommen.

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Ein herrlicher Nachmittag wartete auf uns. Die großen Felsbrocken dienten als Rückenlehne, während wir uns die Sonne auf den Rücken scheinen ließen, lasen und zwischendurch immer wieder den Ausblick auf den See und die umgebenden Berge genossen. Die Stille hier oben war fast schon greifbar.

Gegen Abend kam ein anderes Paar, das feststellen musste, dass die Hütte schon belegt war und etwa 200 m weiter das Zelt aufstellte.
Wir wunderten uns, warum die zwei gleich Feuer machten, obwohl es auch ohne schon so warm war. Das Feuer brannte lange. Ein paar Tage später kam dann des Rätsels Lösung. Ansonsten bemerkte man das andere Pärchen nicht im Entferntesten.

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24. Juni 2009:

Das Ausruhen tat uns gut. Bei Sonne und wolkenlosem Himmel setzten wir dann am 24. Juni die Tour fort. Rekordwanderzeit: Wir benötigten gerade mal 1 1/2 Stunden für 4 ½ Kilometer.

Der Weg war wieder leicht zu gehen, relativ eben, kaum Geröll. Nähe Hävlingen führte der Wanderweg zwischen zwei Moränenrücken hindurch, wie durch eine Schlucht! Beeindruckend.

Auch die Plagegeister waren uns wohl leid oder hatten andere Menschen gefunden, die sie quälen konnten. Es war richtig angenehm, mal irgendwo sitzen zu können ohne gleich um sich schlagen zu müssen. Und das ohne Einsatz der Chemiekeule.

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Die Entscheidung in der Rasthütte am Slagusjön zu übernachten war goldrichtig gewesen. Das Gelände um den Windschutz am Hävlingen war sehr steinig, wir hätten keinen vernünftigen Platz fürs Zelt gefunden und wohl oder übel mit dem Windschutz vorlieb nehmen müssen – auch ein Toilettenhäuschen (Plumpsklo) war nirgends auszumachen. Inzwischen habe ich die Information bekommen, dass es dort in ca. 50-100 m Entfernung des Windschutzes Mulden gibt, in denen das Zelt aufgestellt werden kann. Das Plumpsklo befindet sich ca. 150 m abseits.

Auf der Weiterwanderung betrachteten wir die Kanuportageanlage zwischen dem Hävlingen und dem Särsjön. Hier brauchte man das Kanu lediglich über die Holzplanken zu ziehen und nicht über den Felshügel zu tragen. Praktisch.

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Auf der anderen Seite des Hävlingen legten wir freiwillig gern wieder unsere Moskitohüte an und machten nur ganz kurze Pausen. Es war anfangs moorig, dafür wuchsen schattenspendende Bäume. Laufen ließ sich die Strecke recht einfach. Nachdem wir Moor und Baumgrenze hinter uns gelassen hatten, war der Wanderweg weithin sichtbar. Ein breit ausgetretener Steig. Am Ende des steilsten Teils des Aufstiegs Richtung Sylen machten wir eine Kaffee-, Tee- und Kekspause.

Glücklicherweise hatten wir weiter unten am Bach noch mal unsere Wasserreserven aufgefüllt, denn der auf der Karte eingezeichnete See neben unserem „Rastfels“ auf unserer Wanderkarte existierte nicht mehr. Ein riesiges leeres Loch war zu sehen, mehr nicht. Dafür bot sich eine prächtige Aussicht auf langgestreckten Hävlingen, den Särsjön und den vielen anderen kleineren Sehen im Tal, umgeben vom Eis „abgerundeten“ Bergen. In der Ferne befindet sich der Töfsingdalens Nationalpark, an dessen Grenze wir nur vor wenigen Stunden gestanden hatten. Es macht uns Stolz, zu sehen wo wir bisher langgelaufen sind, was wir alles „geschafft“ haben. Wobei das Wort „geschafft“ es nicht richtig ausdrück, denn die Wanderung empfanden wir schon seit zwei Tagen nicht mehr als Strapaze. Im Gegenteil, es machte Spaß, wir mussten uns nicht mehr kämpfen, wir konnten es endlich genießen!

Leider konnte ich nur die Hälfte meines Kaffees genießen, die andere Hälfte hatte ich verschüttet und Wasser war knapp. Es war heiß, der Anstieg schweißtreibend. Und da hieß es in den Ratgebern, dass ein halber Liter Frischwasser ausreichen würde. Oha, das wäre mehr als knapp gewesen. Einen Liter haben wir von Hävlingen bis nach Sylen auf jeden Fall benötigt und das war - genau genommen - zu wenig bei diesen Temperaturen (gefühlte 30 °C) und der Anstrengung.

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Der weitere Streckenverlauf führte über eine weite Hochebene. Ein traumhafter Ausblick über den Grötvallsjön und das Grøtådalen bot sich uns über eine Wegstrecke von ca. drei Kilometern. Weit entfernt befand sich eine riesige Rentierherde, so weit entfernt, dass wir sie erst für Felsbrocken hielten, bis sie sich bewegten.

Diese unendliche Weite, die Stille, diese traumhafte, vom Eis geformte, Landschaft … und wir mittendrin. Wir standen, schauten, staunten und strahlten über das ganze Gesicht.
Zum ersten Mal überquerten wir die Staatsgrenze. Ein Zaun, wohl eher für die Rentiere, trennte uns von Norwegen. Nun ging es nur noch hinab nach Sylen, unserem Tagesziel, mit dem bisher längsten Streckenabschnitt von ca. 14 – 15 Kilometern.

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Wir folgten dem Pfad nicht direkt bis nach Sylen, sondern nachdem wir im Tal angekommen waren, nur noch ein kurzes Stück bis zu einem Zeltplatz in der Nähe eines Baches – zumindest schien es ein Zeltplatz zu sein. Der Røa schenkte uns frisches, klares und kaltes Wasser. Wir nahmen ein Bad - es gab am steilen Ufer „Nischen“ an denen man die Möglichkeit hatte, sich vor der Strömung geschützt, ins Wasser zu stellen. Die Mücken leisten uns bei dem Bad Gesellschaft. Später wuschen wir noch ein wenig Wäsche … Bach und Sonne musste man doch nutzen!

Auch hier blieben wir nicht lange vorm Zelt sitzen. Genau das hatten wir uns anders vorgestellt. Eigentlich wollten wir nach einer anstrengenden Tour noch ein wenig draußen in der Natur sitzen, aber hier heißt es: Entweder Chemie oder Mücken. Wir entschieden uns für die dritte Alternative und verschwanden im Zelt. Der Schlafsack diente maximal nur noch als Decke, auch tief in der Nacht, es war einfach unerträglich warm geworden. Wir lagen häufig nur noch in Unterwäsche auf den Schlafsäcken. Wie auch an allen vorangegangenen Abenden holte uns die Müdigkeit ein sobald wir lagen, es folgte ein tiefer erholsamer Schlaf.