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Sylen - Oasen
Tourtag 5 und 6 / 25. bis 26. Juni 2009

25. Juni 2009:

So früh waren wir noch nie wach. Gerade mal 6:30 Uhr, unser Zelt gleichte einer Sauna. Auch die geöffneten Seitentüren brachten keine Abkühlung. Es regte sich kein Lüftchen, die Sonne brutzelte schon seit Stunden vom fast wolkenlosen Himmel herunter. War die Kilometerleistung des vorangegangen Tages noch zu toppen? Ja, zwangsläufiger Weise legten wir diesmal ca. 17 Kilometer zurück.
Wir frühstückten in Ruhe. Wenigstens war das Wasser kalt und damit auch unsere Pulvermilch. Es gab, wie die ganzen Tage zuvor auch … Müsli und trotz der Temperaturen, eine Tasse Kaffee und Tee. Bevor wir dann wieder schulterten gab es nochmal kaltes Wasser aus dem Røa zu trinken und wir füllten den Trinkwasservorrat auf. Alles versprach ein heißer Tag zu werden.

Zunächst ging es etwa einen Kilometer eben und einfach weiter, weshalb wir dieses Stück in Rekordzeit hinter uns ließen. Das war zum Aufwärmen denn direkt im Anschluss ging es bergauf … RICHTIG bergauf! Von etwa 800 m auf 940 m in zwei Kilometern. Wir stiegen am Sylvola hinauf, nur um am anderen Ende wieder zum Rønsjøen, der auf 888 m liegt, hinabzusteigen. Unterwegs passierten wir die Grenze zum Femund Nationalpark. Bis hierher war der Weg breit und relativ gut zu gehen.

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Die letzten zwei Kilometer zum See wurden wieder sehr steinig, die Sonne brannte von oben. Die Aussicht war wieder einmal atemberaubend schön. Die Beine und der Oberkörper konnten das Gewicht immer besser tragen. Dennoch war es anstrengend, vor allem bei solch einer erbarmungslosen Sonne. Während wir den Blick über die Ebene genossen, konnten wir schon sehen, wo wir nach der Pause am Rønsjøen weiterlaufen würden, wie die folgenden Höhenmeter von weitem aussahen.

Wir mussten fast einen Kilometer am Ufer des Rønsjøen entlanglaufen, bis wir eine schöne Bucht zum Rasten fanden, da wir Vater und Sohn ein Stück vorher nicht stören wollten und der See groß genug ist, ohne dicht beieinander sitzen zu müssen.. Am gegenüberliegenden Ufer hatten zwei Personen ein Zelt aufgeschlagen. Sie hatten sich einen schönen Platz ausgesucht!

Die Mittagspause wurde etwas ausgedehnt. Meine Socken waren nass (geschwitzt), die Füße deshalb gequollen – so als wenn man zu lange in der Badewanne gesessen hat. Die Pause tat gut, das Wasser war herrlich! Nach etwas über einer Stunde brachen wir wieder auf, auch wenn es hier am See einfach traumhaft war.

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Gerade als wir die Rucksäcke wieder auf dem Rücken hatten kam uns eine große Wandergruppe entgegen … schön zu sehen, dass wir nicht die einzig korpulenteren Personen sind, die solche Touren unternehmen. Die Gruppe bestand aus über 10 Personen. Das machte den Schnitt kaputt. Bisher begegneten uns nicht mehr als zwei Personen täglich!

Trotz des Anstiegs kamen wir gut voran. Ein kleines Schneefeld in einer Senke trotzte der Hitze … sicher nicht mehr lange. Ein riesiger Findling befand sich kurz darauf direkt am Wanderpfad. Eine willkommene Gelegenheit die Rucksäcke loszuwerden. Ich musste auf jeden Fall hinauf, mein Mann kam hinterher. Wir blieben eine Weile sitzen und blickten auf den Rønsjøen, den Berg Rønsjøruten direkt dahinter, das weite Tal, den Sylvola, an dem wir vormittags entlanggelaufen waren und schließlich bis zum Grövelsjön, dem heutigen Startpunkt.

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So schön es auch war, Svukuriset kam uns nicht entgegen, auch wenn wir noch so lange herumsaßen, die Aussicht und die Ruhe genossen. Meine Füße hatten wieder einmal Gelegenheit zum trocknen gehabt (dabei sind die Schuhe atmungsaktiv … was aber nichts nutzt, wenn man an den Socken spart, die nämlich die Feuchtigkeit aufnehmen, aber nicht wieder abgeben).

Wir liefen noch bis zum Ende der Steigung, zum Fuß des Revlingkletten auf 1.040 m Höhe. Es war einfach zu heiß. An diesem Tag machten wir die Pausen nicht weil der Rucksack auf den Schultern drückte, sondern weil die Sonne unerbitterlich vom Himmel herab schien und wir dem Durst nachgaben. Ab und zu sorgte eine Wolke mal für ein halbes Stündchen Schatten. Da kein Wind ging, schienen die wenigen Wolken am Himmel zu stehen. Aber wer macht nicht gern eine ausgedehnte Pause bei solchen Aussichten:

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Der Weg war steinig, aber es ging, zuvor gab es deutlich steinigere Abschnitte, die sich schlechter laufen ließen. Endlich begann der Abstieg. An dem namenlosen Bach neben dem Weg wollten wir uns einen Übernachtungsplatz suchen, wollten weit genug von Svukuriset, einer norwegischen Fjällstation, entfernt sein. Wir fanden zwar ein paar Plätze, waren aber nie ganz zufrieden … zu uneben, zu hohes Gras, dafür gab es kaum Steine. Schließlich schienen wir eine geeignete Stelle gefunden zu haben. Bis wir die Rucksäcke abnahmen und uns setzten. Wir waren total erschöpft.

Sie hatten uns schon gerochen und kamen nun angesaust, diese fiesen Kriebelmücken. Bisher mussten wir nur mit den Moskitos fertig werden. Bei den Kriebelmücken nutzte auch unsere Bekleidung nichts. Sie suchten sich einfach Stellen, wo sie durchkriechen konnten und stachen zu. Nein, hier wollten wir auch nicht bleiben. Ein Blick auf die Karte verriet uns, dass wir noch ca. zwei Kilometer von der Fjällstation entfernt waren. Also machten wir uns auf den Weg. Wir betrachteten eine Hinweistafel … 36 verschiedene Mückenarten soll es in der Region geben … naja, ungefähr 10 davon hatten wir schon kennengelernt und es sollten noch mehr werden!

Wieder begegneten uns zwei Wanderer. Viel los hier auf der norwegischen Seite und auch in Svukuriset! Die Station war fast voll. Alle Zimmer belegt, nur ein 6-Bett-Zimmer war noch frei, unterm Dach, hurra! Das gemütliche Zimmer hatten wir für uns ganz allein. Es gab sogar richtige Duschen, fließendes Wasser und … was richtig Gekochtes zu Essen, nicht so ein Fertigzeugs. Wir hatten die Wahl zwischen Fisch und Ren. Wir entschieden uns für letzteres und das hatte geschmeckt!!! LECKER!!!!!! Wir schwärmen heute noch davon. Ich als nicht-Tomaten-Esser hätte wahrscheinlich auch einen Tomatensalat verschlungen. Diese Bemerkung soll das Rengeschnetzelte mit Kartoffeln und Gemüse nicht schlecht machen. Es war wirklich richtig gut, was für ein Geschmack! Extra für uns wurde nochmal gekocht, da die Küche eigentlich schon zu hatte und die Aufenthaltsräume für einen Vortrag umgebaut wurden. Draußen essen war eh viel schöner.

Die letzte Flasche Wasser mit Kohlensäure hatten wir vor ein paar Tagen schon getrunken, so genossen wir mal wieder etwas Exklusives: Gekühlte Cola, o.k. Zero Cola weil keine andere mehr da war. Es war wie der Himmel auf Erden. Wie wenig doch glücklich machen kann!
Das Grundstück war gepflegt, keine Kriebelmücken, nur ein paar Moskitos. So konnten wir den späten Nachmittag und den Abend sogar draußen verbringen. Auf Bänken und an Tischen!
Die Kreditkarte funktionierte hier leider nicht, wir hatten Glück noch genug norwegische Kronen von der vorangegangenen Woche dabei zu haben.
Trotz des gemütlichen Bettes hatte ich schlechter geschlafen wie die Nächte zuvor … zu bequem? Mag sein, vielleicht war es im Dachstübchen auch einfach zu warm. Sonst hatte die Nacht immer etwas Abkühlung ins Zelt gebracht. Hier regte sich nicht ein Lüftchen, trotz geöffneter Fenster kühlte es sich nicht ab.

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26. Juni 2009:

Der Morgen begann so, wie der letzte Tag endete. Schon gegen 9:00 Uhr war es sehr warm. Die Planung sah einen Tagesausflug zum Stor-Svuku vor. Mit 1.416 m ist er einer der höchsten Berge der Region. Uns war es zu warm für diesen anstrengenden Anstieg und so setzten wir unsere Rundtour fort. Relativ ebener Weg, ab und zu mal einen Moränenhügel rauf und runter. Der Weg selbst war wieder steinig und führte durch einen lichten Kiefernwald.

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Kein Windchen regte sich, keine Wolke war weit und breit zu sehen. Schon bald hatten wir den etwas Schatten spendenden Wald hinter uns gelassen und setzten den Marsch oberhalb der Baumgrenze fort. Es ging stetig schnurstracks bergauf Richtung Falkfangerhøgda (968 m). Zu Beginn dieses Abschnitts konnten wir eine Reihe Birken in der Ferne erkennen. Genau diese Stelle nutzten wir für die Mittagsrast in einem ausgetrockneten Bachbett im Schatten der Bäume. Als Zugabe die kilometerweite Aussicht über den Femundsee und das Gebirge. Ein prächtiges Panorama!

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Wir lagen gut in der Zeit und lt. Karte gab es jetzt bis zum Abstieg kaum noch Höhenunterschiede bis zur Rasthütte am Litlbuddhåen. Geplant war die bisher längste Tagesetappe.

Von der Falkfangerhøgda bot sich ein prächtiger Ausblick über den Femundsmarka Nationalpark und Teile des Rogen Naturreservat – vom Femundsee über das Skedbrofjället zum Bustvålen, den See Rogen und hinüber ins Grøtådalen.
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Unser Trinkwasser hatte sich inzwischen in warme Brühe verwandelt – leider hatten wir nur eine Sitzmatte pro Person, die auch gleichzeitig als Isolation für eine Flasche diente. Laut Karte würden wir bald wieder die Möglichkeit bekommen, frisches Wasser zu trinken … sofern man einen Tümpel am Berg frisch nennen konnte. Es wäre wohl eher eine stinkende Pfütze, diese „Oase“. Die Bäume und das Wasser inmitten der Steinwüste konnten wir bereits aus der Ferne sehen, auch eine Gruppe Wanderer. Auf jeden Fall ein herrliches Plätzchen für eine verfrühte Nachmittagsrast. Endlich wieder Schatten!

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Wir waren absolut überrascht, als wir erkannten, dass die Oase eine richtige Quelle war. Das Wasser reichte gerade mal bis zu den Oberschenkeln und war eiskalt, frisch und klar. Eine Fläche mit Sand neben dem kleinen See und eine kurze Überlegung … Warum noch weiterlaufen, hier ist es doch prima! Keine Mücken, ein laues Lüftchen, frisches Quellwasser, was wollte man mehr?

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Also bauten wir gleich das Zelt auf, damit uns niemand zuvorkommen konnte. Hier kamen leider relativ häufig Leute vorbei. Aber aus der längsten geplanten Strecke wurde so eine der kürzesten. Was soll`s? Zeit hatten wir noch genug, ein Reservetag fehlte uns durch die kürzeren Abschnitte am Beginn der Tour, dafür hatten wir einen Tag „zusätzlich“, weil wir nicht auf den Stor-Svuku rauf sind.

Einem entspannten Nachmittag folgte ein entspannter Abend. Ein weiteres Pärchen stoß zu uns, mit Hund. Der Mann hatte natürlich nichts Besseres zu tun, als eine zu rauchen. Na super, der Qualm zog direkt zu uns rüber. Ein bisher mehr Rücksicht hätten sie ja schon nehmen können, zumal genug Platz vorhanden war! Der Hund sprang durchs frische Wasser und genoss die kühle Erfrischung. Wir warteten hingegen eine ganze Weile, bis wir wieder frisches kaltes Wasser holten.

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Dafür bekamen wir die Lösung auf die Frage „warum ein Feuer bei der Hitze“. Auch diese zwei machten ein Feuer (ich fand’s überflüssig, zumal die Vegetation hier nicht gerade üppig war, einige Birken und ein paar Zwergsträucher mitten im Felsenmeer). Und wo schlugen sie ihr Feuer auf, natürlich wieder genau so, dass wir den Rauch abbekamen. Rücksicht nehmen auf andere sah bei uns anders aus. Irgendwann mischte sich dann zu dem Rauch ein zitroniger Geruch und schon waren die verhältnismäßig wenigen Mücken verschwunden.

Der Tag verabschiedete sich mit einem traumhaften Sonnenuntergang über der weiten Ebene der Femundsmarka.
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