Logo Sarek Tour
W O L F - Fotographie
Leerfeld schwarz
 


Oasen - Käringsjövallen
Tourtag 7 bis 9 / 27. bis 29. Juni 2009

27. Juni 2009:

Die Hitze im Zelt schien inzwischen unser Wecker zu sein. Sehr früh wurde es wieder heiß, über Nacht hatten wir deshalb die Türen des Außenzeltes offen gelassen. Irgendwie schafften wir es trotzdem nochmal für ein halbes Stündchen einzuschlafen. Danach krabbelten wir schweißgebadet aus dem Zelt.
Von unseren „Nachbarn“ war noch nichts zu sehen. Auf Tee und Kaffee verzichteten wir diesmal, stattdessen gab’s eiskaltes Wasser mit Milchpulver und natürlich Müsli.

An diesem Tag, den 27. Juni, wollten wir mind. die Rasthütte Reva erreichen. Besser noch den Rastplatz am Rogen in der Bucht Rödviken. Höhenlinien waren kaum welche eingezeichnet in unserer Karte, zumindest nicht bis nach Reva.

Thumb 1

In einem Reisebericht hatte ich über diesen Abschnitt gelesen: „Auch wenn keine Höhenlinien eingezeichnet sind, heißt das nicht, dass es keine Höhenunterschiede gibt.“ Ich dachte, die hätten die Karte im Maßstab 1:100 000 und nicht wie wir 1:50 000. So liefen wir los und lernten norwegische Wanderwege im Sumpf und norwegische Brücken kennen.

Der größte Teil der Wanderung ging durch das für hier typische bewaldete Gebiet, vorbei an vielen Seen. So viele Seen, das wir Probleme hatten, unsere Position genau bestimmen zu können. An der ersten Brücke, oder besser zwei lange Stämme mit einem Pseudogeländer auf einer Seite, die über einen strömenden Bach gelegt waren und als Brücke auf der Karte verzeichnet waren, trafen wir einen einsamen Wanderer, der verzweifelt versuchte mit der Karte seinen Weg zu finden. Er lief hinter uns wieder zurück über die Stämme.

Thumb 1

Die Markierung fehlte auf der anderen Seite, zumindest auf den ersten Blick. Auch wir gingen den gut sichtbaren Weg weiter, der wenig später mehr und mehr von Pflanzen verdeckt wurde. Er führte anscheinend nur zu einem Angelplatz am Krokåthåen. Naja, dann wieder zurück. Karte raus und geschaut. Eigentlich sollte es hier von der Brücke aus gerade aus weiter gehen.

Nach genauem hinschauen fanden wir auch einen Stein, mitten in einem Geröllfeld, auf dem noch ein Fitzelchen Farbe zu sehen waren. Der Weg führte zu einer weiteren Brücke über einen strömenden Bach.

Wie zuvor bestand die Brücke aus zwei Holzstämmen und einem noch mehr pseudomäßigem Handlauf, bestehend auch zwei Stöcken am jeweils anderen Ufer und einem Draht. Also balancierten wir auch darüber. Im nachhinein betrachtet waren das noch luxuriöse Brücken! Von dem anderen Wanderer war nichts mehr zu sehen.

Musste Sumpfgelände durchquert werden, was in diesem Abschnitt sehr häufig vorkam, konnte man dankbar über einzelne verrottete Planken sein. Meist musste man mit vereinzelten höher stehenden Grasbüscheln vorlieb nehmen. Wir wunderten uns über die Hufabdrücke eines oder zweier Pferde in diesem unwegsamen Gebiet von Sumpf und Steinen.

Schnell mussten wir feststellen, dass auf diesem Abschnitt etliche Höhenmeter zu bewältigen waren. Wie war das noch: „Auch wenn keine Höhenlinien eingezeichnet sind, heißt das nicht, dass es keine Höhenunterschiede gibt.“ … ähm, ja! Zustimmung!

Thumb 1 Thumb 1 Thumb 1

Es ging ständig rauf und runter. Ein steiniger Moränenhügel nach dem anderen. Wenigstens war es anscheinend auch den Mücken zu heiß.

Irgendwo zwischen dem Kløfthåtjønnan und dem Storfisktjønnan erwartete uns eine weitere Brücke. Ein einzelner Stamm über einen breiteren tiefen Bach, tiefer wie unsere Wanderstöcke lang sind und ganz ohne Geländer. Na, dann balanciert man halt mal mit den schweren Trekkingrucksäcken darüber, wird schon gut gehen … aber interessant, wie standfest und ausbalanciert man wird, wenn man muss!

Thumb 1 Thumb 1 Thumb 1
Thumb 1

Enttäuschung machte sich breit, als wir feststellen mussten, dass noch nicht so viel Weg hinter uns lag, wie wir vermutet hatten. Der mit Abstand anstrengendste Abschnitt war der etwa halbe Kilometer direkt am Ufer des Storfisksjønnan. Es ging rauf und runter, über und unter umgestürzten Baumstämmen hindurch, hüpfen von Stein zu Stein um nicht ins Wasser zu treten und all das nach etlichen Kilometern Moränenhügeln. Die Pferde waren auch hier lang gelaufen! Wir jedenfalls waren fix und fertig. Selbst der Elch den wir zuvor im Wald gesehen hatten konnte uns dafür nicht wirklich entschädigen, zumal er uns nur den Allerwertesten gezeigt hat und dann gleich davon gelaufen ist.

Also beschlossen wir, in der Rasthütte am Litlbuddhåen zu übernachten. Zuvor musste aber noch ein ca. 15 Meter breiter stark strömender Fluss mit Felsbrocken überwunden werden. Dafür gab es diesmal eine richtige Hängebrücke … sie sah nur etwas schief aus.

Die linke Befestigung auf der gegenüberliegenden Seite hing fast nur noch am Drahtseil. Der Pfosten war umgeknickt, lag aber noch nicht ganz um und sorgte so noch für ein klein wenig Spannung, besser wenig als gar nichts …. es gab aber keine andere Möglichkeit um auf die andere Seite zu gelangen. Also wagten wir es, schließlich war das zweite „Geländer“ noch in Ordnung.

Die Brücke hielt uns aus, danach balancierten wir wieder über zwei Holzstämme und schon standen wir mit sich langsam beruhigenden Herzen am anderen Ufer.

Thumb 1

Zwei Kanuten suchten auch nach einem Lager, also beeilten wir uns um die Rasthütte zu erreichen.

Es war ganz nett hier, aber Platz für unser Zelt gab es nicht wirklich, zumindest nicht dort, wo wir hätten übernachten wollen. Also legten wir eine späte Kaffeepause ein, tranken nochmal reichlich und machten uns auf den Weg zum ca. 2,5 km entfernten Reva. Keine Ahnung, wo wir diese Energie noch herholten.

Bergrauf, bergrunter, über Felsbrockengeröllfelder, über einen Zaun, weitere Moränenhügel und dann, endlich, waren die Zeltplätze von Reva zu sehen. Wir liefen noch bis zur Hütte und schlugen in der Nähe unser Zelt auf.


Hier gab es einen Sandstrand. Diesmal badete ich richtig. Tauchte unter und plantsche im warmen Wasser, immerhin war es hier geringfügig kälter als weiter hinten in der Bucht.

Wie hätte es auch anders sein können, die Mücken fanden uns dann doch noch. Wir genossen es, uns nicht mehr bewegen zu müssen und uns ins Zelt legen zu können. Kurz drauf waren wir auch schon eingeschlafen.

Thumb 1 Thumb 1 Thumb 1

28. Juni 2009:

Hatten wir geglaubt, der Tag zuvor wäre heiß gewesen? Der 28. Juni wurde noch wärmer. Zum Glück hatten wir noch die zusätzlichen Flaschen aus Svukuriset. 7-8 Kilometer bis zur nächsten Wasserstelle bei gefühlten über 35 °C! Dafür war die Brücke bei Reva stabil und ein ausgetrocknetes Sumpfgebiet mit Holzstegen versehen. Die gesamte Strecke zur Rogenstugan war sehr holprig und steinig, landschaftlich ganz nett, aber richtige Höhepunkte gab es nicht. Lichter Kiefernwald, Felsen, Flechten. Das übliche halt.

Unterwegs begegneten wir immer wieder einer kleinen schwedischen Familie. Eltern mit einem kleinen Jungen, vielleicht 1-2 Jahre alt. Wir wechselten uns mit den Pausen ab und liefen so immer wieder aneinander vorbei. Sie erzählten uns das Wasser im Skedbrosjön wäre 18 °C warm gewesen. Obwohl die beiden schwerer beladen waren wie wir, waren sie schneller, vor allem auf den letzten 3 Kilometern.

Thumb 1

Die Strecke bot nicht viel Abwechslung, selten hatte man weite Aussichten. Mit dem letzten Schluck Wasser erreichten wir den Abfluss des Öster-Rödsjön in den Rogen und konnten die Flaschen wieder befüllen, die dann für die nächsten 6-7 Kilometer reichen mussten.

Der Rastplatz bei Rödviken war voll belegt, mit Kanuten der deutschen Bundeswehr, zumindest sah dies so aus. Das Wasser aus dem See roch hier sehr merkwürdig. Wir machten nur kurze Pause, zu viele Menschen auf einen Haufen, obwohl sie relativ ruhig waren. Allerdings gaben wir uns nicht als Deutsche zu erkennen. Schließlich kletterten den steinigen Hang wieder hinauf und liefen weiter unserem Tagesziel entgegen.

Ein paar Kilometer nach dem Abzweig nach Käringsjön dann plötzlich eine Kreuzung; wir wunderten uns, schließlich war nichts in der Karte eingezeichnet. Naja, da wird es wohl irgendwo eine Hütte geben, wie schon ein paar Kilometer vorher ein paar zu sehen gewesen waren, war unser Gedanke.

Meine Füße waren wieder gequollen und schmerzten von der Feuchtigkeit, die Mücken und inzwischen auch Bremsen waren so lästig, dass das Strümpfe ausziehen ohne Stiche nicht möglich war. Die Hitze an dem Tag war bei dieser Belastung schon fast unerträglich. Fast am Ende unserer Kräfte erreichten wir die Rogenstugan. Sehr viele Leute waren hier, auch die kleine Familie, aber das wussten wir ja schon.

Die Hüttenwirten und ihr Sohn begrüßten uns freundlich und boten gleich kalte Getränke an. Wir beschlossen in der Hütte zu übernachten. Das wollten wir uns nach der Tour gönnen. Die Rogenstugan ist nur vor wenigen Jahren neu errichtet worden, nachdem die alte abgebrannt war. Die Sauna hätten wir auch benutzen können, uns reichte eine Abkühlung im kalten Rogen.

Etwas später kam ein deutsches Paar. Besonders glücklich sahen sie nicht aus. Sie waren mit ihrem Kanu unterwegs und hatten das Boot vom Hån in den Rogen geschleppt, ca. 1,5 km, davon etwa die Hälfte durch Sumpf, in dem sie bis zu den Waden eingesunken waren. Das klärte die Kreuzung am Wanderweg. Eine Kanuportagestrecke.
Die beiden ließen sich eine kürzere Portagestelle von der Hüttenwirtin zeigen. Wir erzählten, dass es dort relativ steil und steinig ist. Diese Protagestelle waren wir hinaufgelaufen, als wir vom Rastplatz wieder zurück zum Wanderweg liefen. Dem Paar gefiel die Region nicht, zu häufig mussten sie das Kanu tragen, sie wollten lieber nur fahren, ihr Kanu wäre zu schwer. Sie waren zu aufgebracht um die Schönheit der Natur hier zu bemerken oder die Ruhe zu genießen. Sie wollten sich woanders einen Übernachtungsplatz suchen und am nächsten Morgen nach Rödviken paddeln.

Uns präsentierte sich die Region zum Abschied nochmal von seiner allerschönsten Seite, ein Sonnenuntergang, der seinesgleichen sucht. Was für Farben! Was für eine Stimmung!

Was für eine Stimmung! Wir saßen am Fenster und staunen, konnten den Blick nicht von dem Farbspektakel abwenden.

Thumb 1 Thumb 1 Thumb 1
Auch die Eltern des kleinen Alvin erfreuten sich an diesem Naturschauspiel. Wir redeten noch einen Weile miteinander. Wir auf Schwedisch, er auf Deutsch, sie auf Schwedisch, nicht, weil mein Schwedisch so schlecht war, sondern weil er die Gelegenheit nutzen wollte, mal wieder deutsch zu sprechen. Gibt es eine bessere Bestätigung als zu merken, dass man mit der fremden Sprache verstanden wird? Zuvor durften wir schwedischen Kinder- und Schlafliedern lauschen.
Thumb 1 Thumb 1 Thumb 1

29. Juni 2009:

Der Morgen des 29. Juni war heiß und schwül. Die Mutter des Kindes fragte besorgt, ob uns ihr Sohn geweckt habe, er wäre einfach zu uns hinübergelaufen und auch sonst nicht zu beruhigen gewesen. Wir verneinten das, wir hatten richtig gut und tief geschlafen. Bei dem Hüttenpreis hätte man auch nichts anderes erwarten dürfen.

Thumb 1 Thumb 1 Thumb 1
Thumb 1
Wir frühstückten und machten uns auf den Rückweg zum Parkplatz bei Käringsjövallen. Nur noch 10 km trennten uns vom bequemen Auto, wir freuten uns schon jetzt auf eine eiskalte Cola, die wir uns in Tännäs besorgen wollten. In dieser Erwartung erschienen uns die 10 km länger als am ersten Tag.

Am Auto angekommen legten wir die Rucksäcke ab. Ich dachte, die Getränke im Fahrzeug wären eklig warm. Irrtum, so konnten wir schon hier kaltes kohlensäurehaltiges Wasser trinken. Wie lecker, wie gut, wie erfrischend. Nach einer Erholungspause verließen wir unser Paradies und fuhren zum Naturum in Tännäs. Was für ein Gefühl, sich so leicht fortbewegen zu können.

Das war sie nun, die berühmt-berüchtigte erste Trekkingtour. Wir haben es geschafft, die Tour war genial! Rechnerisch fehlten nur zwei Kilometer an den runden 100. Der Sohn der Hüttenwirten meinte den Abend zuvor scherzhaft, wir sollten einfach nochmal ein Stück zurücklaufen. Immerhin wissen wir dank ihm, wie "Svukuriset" ausgegesprochen wird.