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Käringsjö - Skedbrostugan
Tourtag 1 und 2 / 24. bis 25. August 2011

24. August 2010

Der Blick aus der Hütte in Käringsjön lies uns einen feuchten Tag erahnen, genau wie die Wirtin dort es vorausgesagt hatte, regnerisch und windig – dann blieb nur zu hoffen, dass sie mit der restlichen Vorhersage nicht auch noch Recht behalten sollte … der Gedanke an eine Woche Regen war nicht gerade ermunternd!

Die Rucksäcke hatten wir bereits am Vorabend fertig gepackt und wurden nun nur noch zum Schutz gegen Nässe in Packsäcke gehüllt. Wir holten uns die Paddel aus dem Schuppen, trugen das Kanu zum Wasser und verstauten unser Gepäck darin. Die Schwimmwesten wurden angelegt und schon konnte es los gehen!

Ein Kanal führte uns vom Startplatz in den Käringsjön. Zunächst versuchten wir hier zu paddeln … einfacher war es jedoch, sich an den Rändern abzustoßen – vor allem konnte man so gut um die Kurven herum lenken

Am „Bootsanleger“ in Käringsjön entspring eine Quelle, lt. Hinweistafel und nach Aussage der Wirtin beginnt hier der Klarälven, ein Fluss dessen Wasser über 680 km zurücklegt bevor es in den Vänern fließt. Zweimal zuvor passiert der Fluss die schwedisch-norwegische Grenze.

Bis auf den nicht aufhören wollenden Regen hatten wir Glück, nämlich Rückenwind. So war die Strecke von Ende des Kanals bis zur Bucht des Käringsjön, die zur Portagestelle hinüber zum Kråksjön führt, schnell zurückgelegt. Man konnte die Portagestelle auch deutlich am Ufer ausmachen … wie eigentlich alle Portagestellen.

Also hies es: Anlegen, eine Person raus aus dem Boot, Kanu mit einem Seil irgendwo am Ufer - vorzugsweise an einem Baum - befestigt, dann konnte auch die zweite Person Festland betreten. Anschließend noch das Gepäck und Paddel an Land befördern und das Kanu aus dem See ziehen.

Lt. Karte soll die Portagestelle nicht lang sein und auch nicht besonders steinig. Optimistisch beschließen wir, den schwersten Gegenstand als erstes über den Berg zu schleppen! Auf den Fotos sieht man immer, dass die Leute das Kanu über Kopf transportieren … wir heben unser Kanu an … und … ist doch einfacher, die Griffe vorn und hinten zu benutzen und über etwaige Steinbrocken, das Boot noch höher anzuheben – das Kanu mit über 30 kg war eindeutig zu schwer zum Kopfübertransport.

Immerhin schaffen wir ungefähr 30 m am Stück, bevor einer rief: „ABSETZEN!“ Auch der andere war erleichtert … puh! Kurz ausgeruht, die Seiten gewechselt, damit auch der zweite Arm sein Recht auf Anstrengung nicht verwehrt bekam, und eins, zwei, drei … weiter! Naja, diesmal waren wir nicht ganz so weit gekommen … wir blickten zurück und beschlossen, zur Erholung erst mal das Gepäck schleppen.

Wir mussten jedes Mal, nachdem wir den Gepäckhaufen mit dem Kanu passierten oder mit dem Gepäck am kanu vorbei liefen, lachen, weil es einfach komisch aussah, wenn mitten im Wald, zwischen Bäumen, Felsen, Flechten und anderem Buschwerk verwaiste Gegenstände herumlagen. „Kuck mal! Da liegt ein Kanu ganz allein auf dem Trockenen!“ „Da hat irgendjemand sein Gepäck liegenlassen!“ „Wie das wohl dahin kommt?“

Insgesamt war die Portage doch kräftezehrender, als wir erwartet hatten und so waren wir froh als es hieß: Kanu in Wasser – festbinden, Gepäck ins Boot, Paddel ins Boot und zum Schluss wir auch noch, nachdem der Letzte das Tau vom Baum gelöst hat. Wir glitten windgeschützt über den Kråksjön zur nächsten Portagestelle, die leider schneller erreicht war, als wir dachten.

Die Karte zeigte schon, dass die Portagestelle doppelt so lang war wie die erste (geschätzt insgesamt 400 m) und verlief über steiniges Gelände. Von der Trekkingtour im vergangen Jahr war es mir durchaus noch bekannt, was es hieß „steiniges Gelände“ – meine Schwester hatte es sich nicht ganz SO vorgestellt.

Diesmal packten wir die Rucksäcke aus und schulterten sie. Es ging steinig aufwärts, abwärts, durch Sumpf an einem See vorbei, wieder aufwärts und hinab zum Ufer des Källsjön. Hier wurde zunächst erst einmal begutachtet, wo man am Besten das Kanu ins Wasser hineinsetzen und vor allem beladen konnte. Eine geeignete Stelle war schnell gefunden, man musste nur über ein paar größere Brocken klettern … Wir deponierten das Gepäck dort und gingen leer zurück um die Paddel sowie die Fotoausrüstung hinüber zu tragen, bevor wir uns wieder dem Kanu widmen mussten.

Das Tau wurde um Schlaufen erweitert, damit das Kanu beim Tragen nicht nur an den Armen zerrte, sondern ein Teil der Last auf der gegenüberliegenden Schulter ruhte. „Eins, zwei, drei ….“ – tragen, „Hej, das funktioniert gut mit den Schlaufen“! – „Absetzen!“ – verschnaufen und Seite wechseln – „eins, zwei, drei“ – „langsam, ich muss schauen, wo ich hintrete“ – „lass uns die sumpfige Stelle neben dem Tümpel nicht wie eben umgehen, sondern das Kanu in den Sumpf legen und dann ziehen wir beide vorn am Tau!“ – dies war eine Gute Idee, nur leider die sumpfige Ecke viel zu kurz, denn schon hieß es wieder „eins, zwei, drei“ – tragen. Den zweiten „Bergrücken“ erreichten wir keuchend, aber jetzt ging es ja nur noch bergab! Dafür lagen hier größere Felsbrocken. Von den Felsbrocken vor der von uns ausgewählten Einstiegsstelle gar nicht erst zu reden! Die schafften wir gar nicht mit dem Kanu zu überwinden – wir bekamen das Kanu nicht hoch genug gehoben. So landete das Kanu schon vorher im Wasser, ein Paddel herbei und ich manövrierte das Kanu zum ersten Mal allein zur „Beladestelle“. Wer sagt’s denn: Man darf klein sein und man darf schwach – äh, ich meine untrainiert – sein … man muss sich nur zu Helfen wissen!

In der Ferne sahen wir ein Kanu auf uns zukommen, zwei ältere Schweden erreichten das Ufer und luden aus. Sie grinsten uns an und stellten fest: „Steinig!“ Ich: „Ja - anstrengend!“ Sie sagten, sie hätten auf der Tour viel Regen gehabt, kämen vom Rogen und es hätte keinen Spaß gemacht, da auch viel Wind dabei war und die Wellen hoch gewesen seien. Alles in allem hätten die beiden gern eine Weile früher hier ankommen können, so in etwa zu der Zeit, als wir das Kanu rüber getragen haben …

Und wieder hieß es: Gepäck ins Kanu, eine Person ins Kanu, Leinen los, zweite Person ins Kanu … und schon paddelten wir über Källsjön. Schon hier beschlossen wir, beim Windschutz die Tagestour zu beenden. Die Arme wurden zugegebener maßen von der ungewohnten Belastung doch langsam weich, zumal der Wind zugenommen hatte und der Regen auch nicht weniger wurde.

Von weitem sah man eine Anlegestelle und einen Pfad, auf dem Moränenhügel konnte man ein Holzgebäude mit Dach ausmachen. Wir legten an und das bekannte Ritual begann. Sollte man das ganze Gerödel von hier etwa über den Hügel tragen? Wir gingen erst einmal ohne Gepäck auf Erkundungstour, denn evtl. würden wir hier unten am See das Zelt aufschlagen. Der Pfad führte uns direkt zum Windschutz. Auf der anderen Seite des Hügels ging es noch steiler hinunter, wie auf „unserer“ Seite hinauf. Aber hier oben war genug Platz für das Zelt und wir könnten bis zum späten Abend im trocken an einem warmen Feuer sitzen.

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Desweiteren konnte man von hier oben eine Holzkonstruktion am Bach zwischen dem Källsjön und dem Uthussjön ausmachen, die wie eine Portagehilfe aussah, über die man das Kanu lediglich ziehen musste.

Aus der Nähe betrachtet, erstarb die anfängliche Euphorie, dass Kanu heute nicht mehr tragen zu müssen sehr schnell. Auf beiden Seiten waren die ins Wasser führenden Holzbohlen abgebrochen. Also müssten wir das Kanu hinaufziehen, sofern überhaupt möglich, und auf der anderen Seite wieder hinunter schubsen. Aber mit Beladung wohl eher nicht. Außerdem müssten wir über die Bohlen und Steine balancieren, während wir das Boot über die Führung zogen. Egal, alles nur nicht mehr tragen müssen!

Wir liefen zurück, zogen das Kanu wieder ins Wasser, die Paddel wurden ins Boot gelegt und ebenso ein Packsack. Meine Schwester lief dann mit ihrem Rucksack und dem Zelt von unserer Anlegestelle zum Windschutz – ich fuhr allein im Kanu zu der Portagehilfe. Wie erwartet, ließ sich das Kanu noch nicht einmal mit dem einen Packsack auf die gut 30 – 40 cm höheren Bohlen ziehen. Also Gepäck an Land und es folgte ein weiterer Versuch das Kanu auf die Konstruktion zu befördern, denn das Gelände hier wäre wegen Steinbrocken, Bäumen und Sträuchern mit Kanu auch nicht einfach zu gehen gewesen – dafür deutlich kürzer als von der ersten Anlegestelle.

Ich stellte mich auf einen Querbalken der Holzkonstruktion, meine Schwester auf die Steine und gemeinsam schafften wir es, das Kanu einigermaßen gerade auf die „Schienen“ zu ziehen. Auch das Ziehen und Schieben des Kanus über die Holzkonstruktion ging einfacher als erwartet. Allerdings war Vorsicht geboten, wenn man nicht von den nassen Steinen oder Holz abrutschen wollte, um unsanft im mit Felsbrocken durchsetzten Wasser zu landen. Schließlich erreichten wir das Ende der Portagehilfe. Meine Schwester, die nun an der Stelle stand, wo wir das Kanu rausziehen wollten, bekam das Seil zugeworfen, dessen anderes Ende am Kanu befestigt war … und wir benötigten fast die gesamte Länge (15 m). Direkt bei der Portagehilfe wäre es für uns aufgrund großer Steinbrocken, die mal mehr oder weniger aus dem Wasser ragten, unmöglich gewesen einzusteigen. Ich visierte das Ziel an und beförderte unser Kanu ins Wasser. Zielstrebig und ohne dass wir das Seil benötigt hätten! (kleine Erfolgserlebnisse braucht jeder einmal) glitt es über was Wasser direkt auf meine Schwester zu. Zum letzten Mal an diesem Tag wurde das Kanu aus dem Wasser gezerrt und an Land getragen.

In der Zwischenzeit waren noch zwei nette Norweger angekommen, die fragten, ob wir hier übernachten wollten. Sie machten deshalb nur eine Kaffeepause und hinterließen uns, bevor sie wieder aufbrachen, noch weiteres gespaltenes Holz für das herrlich wärmende Feuer.
Während die beiden ihren Kaffee tranken, stellten wir unser Zelt auf und zogen uns richtig trockene sowie wärmere Kleidung an. Danach gab es Tee und Schokokekse. Am Abend und über Nacht nahm der Wind noch weiter an Intensität zu – Windgeschwindigkeiten bis 15 km/h, die Tagestemperatur lag bei max. 10 °C, Regen.

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25. August 2010

Das was wir beim Aufwachen hörten bzw. nicht hörten, war vielversprechend. Es war nichts zu hören, kein Wind und auch keine Regentropfen, die auf das Zelt trommelten. Also konnte man vorsichtig einen Blick hinaus riskieren – es war bewölkt, aber trocken.

Raus aus den Federn, Wasser fürs Frühstück geholt, damit wir uns Kaffee, Tee, Müsli und Rührei mit gebratenem Schinken schmecken lassen konnten. Auch nach dieser herrlichen Mahlzeit war das Zelt noch nicht trocken, weder von außen, noch von innen. Also packten wir es nass zusammen.

Der morgendliche Blick auf die Karte … Ziel war eine Insel im Väster-Rödsjön auf der wir unser Lager für zwei Nächte aufschlagen wollten, denn bei gutem Wetter sollte es am nächsten Tag rauf auf das Skedbrofjäll gehen. Für diesen Tag hies es aber, zunächst längere Kanustrecke und eine kurze Portage zu bewältigen, danach wieder kurz paddeln, noch eine kurze Portage, ein bisschen mehr paddeln, eine etwas längere Portagestrecke im steinigen Gelände und zum Abschluss nur noch im Kanu sitzen, gelegentlich mal ein Paddel ins Wasser tauchen um vom Öster-Rödsjön in den Väster-Rödsjön zu gelangen.

Also immer schön die inzwischen gewohnte Reihenfolge einhalten – Kanu ins Wasser, Gepäck ins Boot und dann waren wir an der Reihe. Über den ruhigen Uthussjön gleiteten wir dahin – und waren nicht die einzigen, die so früh aufgestanden waren. Vom Krattelsjön aus hatten schon zwei Boote übergesetzt und nahmen Kurs auf den Windschutz.

Wir paddelten ungerührt weiter – links an der Insel und rechts am Festland vorbei. Man könnte es auch eleganter ausdrücken, indem man „backbord“ und „steuerbord“ verwendet oder weniger präzise „da dort vorbei“ und „dort da vorbei“. Im Prinzip alles egal, da die Person hinten im Kanu, die niemals freien Blick auf das Gewässer vorn hat, die Karte besitzt und „rechts“ oder „links“, „steuerbord“ oder „backbord“, „da“ oder „dort“ vorbei steuert, während die Person vorn, die freie Sicht auf Wasser und Land hat, die Augen aufhält um Steine unter der Wasseroberfläche auszumachen, die optimaler weise schon von Kanuten, die vor einem selbst dort langgefahren sind, mit rot, blau, weiß oder grün markiert worden waren. Wobei bei Entdeckung eines markierten oder auch unmarkierten Steines (eher selten) durch den Vordermann, bzw. der Vorderfrau, präzisere Angaben gemacht werden sollten wie „da“ und „dort“, allerdings stellte sich aus heraus das „rechts“ und „links“ auch nicht immer eindeutig ist – denn es ist immer eine Frage der Perspektive, aber auch „backbord“ und „steuerbord“ war nicht immer klug, denn bis der Hintermann, bzw. die Hinterfrau, auch Steuermann/-frau oder Navigator genannt, überlegt hatte, welche Seite denn nun „backbord“ oder „steuerbord“ ist, man eben dieses Hindernis für die nachkommenden Kanuten ein weiteres Mal markiert hatte.

Auf einer Landzunge sahen wir auch die Norweger vom Vortag wieder, die dort noch immer ihr Lager aufgeschlagen hatten. Der Anblick verwirrte so sehr, dass glatt die falsche Bucht angesteuert und am Ende feststellt wurde, dass es hier nicht weiterging. Es war zwar ein Lagerplatz zu entdecken, jedoch führte kein Trampelpfad weiter … mal abgesehen davon, dass dieses Flecken irgendwie nicht deckungsgleich mit der auf der Karte eingezeichneten Portagestelle war.

Also zurück und … klar! – Da war auch die winzige - auf der Karte eingezeichnete - Insel. War nicht immer einfach, in diesem Gewirr aus Inseln, Landzungen und Buchten die Orientierung zu behalten. Deshalb wurde im weiteren Verlauf die Landschaft ständig mit der Karte verglichen. Aus diesem Grund fuhren wir auch an der nächsten Anlegestelle vorbei und landeten in der schmalen, aber dennoch landschaftlich reizvollen Bucht unterhalb der Portagestelle vom Uthussjön in den Nybodtjärnen. Ich – und ich glaube auch die Vorderfrau mit der freien Sicht – fanden die raue Landschaft, mit den Kiefern und die mit Flechten bewachsenen Felsen so faszinierend, dass unsere Blicke an der falschen Uferlinie fest hingen und wir vor lauter Bewunderung den hölzernen Steg übersahen. Darüber hinaus unterschätzte ich den Wind, der inzwischen wieder aufgefrischt hatte. Er hatte uns schneller vorangetrieben als erwartet. Wir drehten und hielten uns vorsichtshalber am Ufer zu unserer linken. Wäre aber nicht nötig gewesen, ein paar Kanuten hatten gerade die Portage abgeschlossen und so sahen wir auch gleich den hölzernen Anlegesteg am Ufer.

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Diese Portagestelle war ratz-fatz bewältigt, das Kanu sogar mit nur einmal Absetzen hinübergetragen! Auch auf der anderen Seite befand sich ein Bootssteg, der uns das Kanu bequem beladen und auch einsteigen lies. Wie zu erwarten … kaum hatte man die Paddel ein paar Mal ins Wasser getaucht, war diese kurze Fahrt über den herrlich ruhigen und winzigen namenlosen See beendet.

Ein Teil der sehr kurzen Portage zum Nybodtjärnen verlief über steinloses und sumpfiges Gelände über das wir das Kanu ziehen konnten, nur die letzten paar Meter musste es getragen werden – über reichlich Steine. So war hier die Portage incl. Gepäck wieder einmal sehr schnell bewältigt. Aber es war Zeit … Zeit für eine Mittagsrast. Während wir so da saßen und unser Tunnbröd, Rentierschinken und Wasser genossen, trafen auch die Kanuten vom frühen Morgen ein. Zwischen der Schlepperei hatte man festgestellt, dass man aus dem gleichen Heimatland stammte. Schlecht staunten wir nicht, dass die Familie einen Kanister Frischwasser mit sich rumschleppte. Wir hatten bisher einfach unseren Becher oder die 0,5 Liter Flaschen in den See getaucht …

Als wir die wiederum ziemlich kurze Kanufahrt über den Nybodtjärnen bewältigt hatten, war die Familie schon fast mit der Portage fertig. Nur noch ein Kanu musste getragen werden. Wir legten an und beförderten das Material an Land und begannen auch gleich, die Rucksäcke hinüber zu tragen und dabei das Gelände in Augenschein zu nehmen. Ja – wie auf der Karte zu sehen war, war es wieder steiniges Gelände, aber nicht ganz so steinig, wie am Vortag die Portage vom Kråksjön in den Källsjön. Dafür war ein kleiner Abschnitt etwas steiler.

Und was soll ich sagen … der Familienvater war sogar so nett, uns bei dem Kanutransport zu helfen. Sie selbst hatten ein eigenes Kanu dabei, das leichter war und er über Kopf tragen konnte. Das zweite war auch in Käringsjön gemietet worden und er sagte, er hätte es kurz versucht ebenfalls kopfüber zu tragen, aber es wäre zu schwer dafür.

Nachdem das Kanu am Ufer des Öster-Rödsjön lag, redeten wir noch eine Weile miteinander und stellten fest, dass wir in etwa das gleiche Ziel hatten, außerdem brachten wir die Sprache auf den Wasserkanister ... mit dem Hinweis, dass man das Wasser hier gut trinken konnte – auch wenn es z. T. etwas moorig war. Inzwischen waren auch die beiden Norweger eingetroffen und machten uns darauf aufmerksam, dass wir noch einen Packsack vergessen hätten. Vergessen hatten wir ihn nicht … hatten uns nur etwas festgequatscht und so war er erst mal dort liegen geblieben – klar so hatte es eben genau diesen Eindruck erwecken müssen. Die Norweger hatten im Übrigen ein schönes leichtes Ally.

So kam es, dass meine Schwester und ich erst dann ins Kanu stiegen, als alle anderen schon irgendwo auf dem Öster-Rödsjön verschwunden waren. Und endlich … endlich ließ sich auch mal die Sonne blicken. Im nu sah die ganze Landschaft anders aus. Dass Wasser blau und nicht mehr grau, die Pflanzen leuchtend grün, … allerdings verschwand die Sonne auch wieder hinter den Wolken. Aber dank Wind ließ sie sich immer wieder blicken.

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Wir steuerten an zahlreichen Inseln vorbei, über Steine und um solche herum, über tieferes Wasser und auch über seichtes Wasser, wo man schon genauer hinschauen musste. So kam auch was kommen musste – nein, wir haben uns in dem Inselgewimmel nicht verfahren … meine Schwester leichter wie ich – hatte also nicht so viel Tiefgang – kam noch über einen Stein hinweg und der hintere Teil vom Kanu … naja … ratsch … festgefahren … mitten auf dem Wasser. Na super! Ein bisschen schaukeln und dabei mit den Paddeln an anderen Steinen abstoßend (alles schön vorsichtig, damit wir nicht umkippten) bekamen wir uns wieder frei – Gott sei Dank, aussteigen wollte ich hier nicht unbedingt!

Die Fahrt auf dem Öster-Rödsjön war deutlich angenehmer und leichter wie auf dem Väster-Rödsjön. Letzterer war offener und daher windanfälliger, was wir auch zu spüren bekamen. Auf den Inseln fanden wir für uns keinen Lagerplatz – bei den Hütten wollten wir nicht – so paddelten wir, inzwischen schon ziemlich erschöpft zum Ufer bei der Skedbrostugan. Die Familie und die beiden Norweger waren auch schon dort. Die Kinder hatten schon bei der Hütte geschaut – die Familie machte sich auf den Weg zur Skedbrostugan (der Mann hatte uns wieder geholfen das Kanu an Land zu befördern), die Norweger waren noch unschlüssig und wir packten unser Zeug zusammen, damit wir nur einmal Laufen mussten und machten uns ebenfalls auf den Weg zur Hütte. Unterwegs überlegten wir, ob wir im Zelt oder in einem richtigen Bett übernachten wollten.

Endlich erreichten wir – über unzählige Steine laufend – die Hütte und legten unsere Rucksäcke auf dem Tisch davor ab. Zunächst schauten wir uns die Zeltplätze an, aber die Betten und vor allem der schöne warme Innenraum machten uns die Entscheidung leicht. Das Zelt hingen wir neben der Hütte über die Wäscheleine zum Trocknen auf – die Zeltplane ebenfalls.
Drinnen gab es zur Begrüßung ein warmes Getränk und so plauderten wir noch in aller Ruhe mit den anderen Gästen und auch dem Stugvärd (Hüttenward). Es regnete an diesem Tag nicht mehr, was natürlich klar war, weil wir uns für die Hütte entschieden hatten. Das Zelt konnten wir später trocken und sauber zusammenpacken. Es folgte ein richtig gemütlicher Hüttenabend. Die Kinder, insbesondere der Junge, war begeistert von den 3-Etagen-Betten).

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Zwei junge Männer trafen gegen Abend an der Skedbrostugan ein. Sie wollten innerhalb von zwei Tagen die Strecke bis nach Grövelsjö bewältigen, um von dort über öffentliche Verkehrsmittel nach Stockholm und zum Flughafen zu gelangen. Sie hatten sich erst auf dem Hinflug zu dieser Tour entschieden und waren ohne Wanderkarten unterwegs. Auf dem Weg hierher gab es schon Probleme fest zu stellen, wo sie sich in etwa befanden, da in dem Büchlein, dass sie dabei hatten, keine detaillierte Karte war. Dazu kam noch das Vorhaben, die dort vorgegebenen Tagesetappen zusammenzufassen und so zwei zu einer zu machen. Auch der Stugvärd schüttelte mit dem Kopf und sagte, dass es fast unmöglich sei in diesem Gebiet schneller als 4-5 km/h voranzukommen und fand es später noch amüsant, wie die beiden unsere Karte (Rogen) und die des Stugvärds (Grövelsjö) mit der Kamera abfotografierte ... er machte auch noch selbst ein Foto von dieser Szenerie. Die beiden wanderten – nach ein wenig hin und her – noch weiter, um die letzte Stunde Tageslicht ausnutzen zu können. Ist das Sinn einer Tour? Klar, man kann später sagen, man habe die Strecke in viel kürzerer Zeit geschafft als vorgegeben, aber was bekommt man dann noch von der Natur mit, die einem umgibt? Muss eben jeder selbst für sich entscheiden.