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Skedbrostugan - Reva
Tourtag 3 und 4 / 26. und 27. August 2011

26. August 2010

Am Abend zuvor baten wir den Stugvärd um Erlaubnis die Rucksäcke, während der Wanderung zum Gipfel des Skedbrofjälls, in der Hütte zurück zu lassen. So konnten wir am Morgen gleich starten ohne die Rucksäcke zum Seeufer zurückbringen zu müssen. Es war herrlich! Sonne, blauer Himmel und das Skedbrofjäll steckte zum Teil noch in einer Wolke bzw. Nebel fest – ebenso die anderen Berge. Am Skedbrosjön machten wir noch ein paar Fotos, nahmen die Deckel der Trekkingrucksäcke, die wir zu Tagesrucksäcken umfunktioniert hatten und liefen los.

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Es ging ein gutes Stück des Weges über Stock und Stein – das übliche Rogengelände eben –, ein kurzer Abschnitt führte durch sumpfiges Gelände über verrottete Stege und schließlich erreichten wir die Baumgrenze (sofern man das hier so nennen kann, da schon ab dem Abzweig zum Skedbrofjäll kaum noch Bäume standen). Dafür lies es sich nun besser laufen.

Nachdem wir meinten, einen für uns geeigneten Weg nach oben gefunden zu haben, verließen wir den markierten Weg. Es ging aufwärts und aufwärts und nochmals aufwärts – und die Aussicht wurde besser und besser und nochmals besser.

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Die Getränke waren schon fast aufgebraucht, als wir einen kleinen Tümpel erreichten. Sollte das der See sein, der in der Karte eingezeichnet war? Äh, dann würden wir uns das wenige Wasser in den Flaschen einteilen … Aber der See auf der Karte sah viel größer aus … naja, egal, jedenfalls war es Zeit den Weg in östlicher Richtung fortzusetzen.

Wenig später ging es dann ziemlich steil abwärts, nicht weit aber steil – ah, wir standen oberhalb des Sees der auf der Karte eingezeichnet war und hatten unbeabsichtigter Weise den westlichen Gipfel „erklommen“. Also wieder abwärts, Flaschen am See aufgefüllt, Rentiere bewundert und in nördlicher Richtung erst mal um unseren Zielgipfel herumgelaufen. Alles andere sah auf der Karte und in Natura schon ziemlich steil aus. Von Norden her war es ein Kinderspiel. Ein Geröllfeld musste überquert werden, aber ansonsten keine Schwierigkeiten.

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Teilweise sah man in einiger Entfernung Regenschauern nieder gehen. Bei uns schien die Sonne vom blauen Himmel und es gab kaum Wind, so wie man sich es wünscht. Und erst die traumhafte Aussicht! Bevor wir uns richtig sattgesehen konnten, sofern das überhaupt möglich ist, bemerkten wir eine aus Richtung Stor-Svuku heran nahende Schauer auf uns zukommen. Wir hatten in Ruhe fotografieren können, unser spärliches Mittagsmahl zu uns genommen und die Aussicht nochmal ohne Linse vorm Auge auf uns wirken lassen, also sprach nichts dagegen, dass Geröllfeld vor dem Regen zu erreichen.
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Wir machten uns an den Abstieg und waren schon am See vorbei, als die ersten Tropfen fielen. Bis zur Skedbrostugan bekamen wir noch zwei weitere Regenschauer ab und so beschlossen wir, noch einmal dort zu übernachten – was sprach auch dagegen? Es war zwar noch früh, aber auch solche Tage gehören einfach zu so einer Tour. Die Bekleidung konnte über dem Holzofen trocknen und wir saßen wieder in der gemütlichen warmen Hütte. Die Karte wurde raus gekramt – der Stugvärd sagte es, sei immer noch zu windig für den Rogen – und überlegt, wie es weitergehen sollte. Am nächsten Tag sollte es zwar bewölkt sein, aber trocken. Gegen 18:00 Uhr kam dann ein Anruf aus der Storrödtjärnstugan … die beiden jungen Männer waren dort angekommen. Wir staunten nicht schlecht!

Bis zum Abend waren wir allein in der Hütte, dann trafen noch ein paar Wanderer ein – alle deutschsprachig. Der Stugvärd meinte, dass 90 % aller Wanderer und Kanuten hier aus Deutschland kämen. Dem ruhigen Nachmittag mit Sonne und einer weiteren Regenschauer folgte ein weiterer gemütlicher Hüttenabend mit Gesprächen und Karten spielen.

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27. August 2010

Es war gerade mal 6:00 Uhr als ich aufwachte. Ich schlich mich raus, über zahlreiche knarrende Bodenbretter und … ein Blick durch die Eingangstür genügte, um über die knarrenden Bodenbretter zurück zu schleichen, sich die Kamera zu schnappen und zum Ufer des Skedbrosjön zu laufen.

Die Sonne ging gerade auf und tauchte das Skedbrofjäll in zartes Licht. Ansonsten herrliche Stille. Nach einiger Zeit erstrahlten auch die Bäume am gegenüberliegenden Ufer im Licht der aufgehenden Sonne. Nur mit der Ruhe war es vorbei, ein anderer Übernachtungsgast war ebenfalls aufgewacht und leistete mir nun Gesellschaft.

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Der Hunger trieb uns wieder zurück in die Hütte. Inzwischen war es kurz nach 7:00 Uhr. Ich kramte mein Eipulver und den Schinken raus, mein Schwesterchen lag noch im Bett, allerdings mit offenen Augen – kennt doch jeder, dieses „ich-bin-zwar-wach-habe-aber-keine-Lust-aufzustehen“. Es dauerte keine weiteren 10 Minuten, da war nicht nur sie aufgestanden, sondern auch der Hüttenwart sauste durch die Tür in den Aufenthaltsraum … direkt auf den Brandmelder zu. Der Grund war mein gebratener Speck. Der wenige Qualm hatte den sensiblen Brandmelder ausgelöst … würde fast jedes Mal Alarm geben, wenn jemand Speck brät ... alle wach?!?

Mein Rührei mit Speck wurde von den anderen Wanderern bewundert („das ist ja mal was ganz anderes als Müsli oder Knäckebrot“ – oder so ähnlich). Zur Dokumentation für die Nachwelt wurde dieses Frühstück incl. meiner Wenigkeit, inzwischen auch den Kaffee schlürfend, auf einen Chip gebannt.

Der Hüttenwart meinte, es wäre immer noch zu viel Wind, um auf dem Rogen zu paddeln – nun gut, wir wollten einfach mal schauen und dann die nächsten Tage über die Seen hier oben fahren und vielleicht noch etwas wandern. Die Klamotten wurden allesamt wieder in die Rucksäcke gestopft, wir verabschiedeten uns und liefen zurück zum „Bootsanleger“ am Ufer des Väster-Rödsjön. Inzwischen hatte sich der Himmel wieder zugezogen, aber es blieb zunächst trocken.

Am Seeufer des Väster-Rödsjön hatte jemand sein Zelt aufgeschlagen – aber von den Besitzern war nichts zu sehen. „Die schlafen bestimmt noch“, meinte meine Schwester. Worauf ich nur entgegnete: „Gleich nicht mehr!“ Immerhin war es ja inzwischen schon kurz nach acht. Unser Kanu wurde beladen und ins Wasser geschoben und schon konnte es losgehen. Es war fast windstill und so erreichten wir schnell den Übergang in den Öster-Rödsjön.

Es klappte alles so gut, auch das Umfahren der Steine im Wasser, dass wir den direkten Weg nehmen wollten, auch wenn das Wasser dort nicht besonders tief aussah. Und tatsächlich brauchten wir auch zwei Anläufe die Steine im Wasser zu überwinden – die Farbe an den Steinen im Wasser zeigte deutlich, dass hier schon mehr Kanuten rüber sind … also musste es ja irgendwie möglich sein, was es auch war.

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Der Wind fühlte sich immer noch nicht stark an, deshalb nahmen wir, nachdem wir die Portagestelle gefunden hatten, die Rucksäcke gleich mit hinunter zum Rastplatz in der Bucht Rödviken. Die etwa 800 m waren schnell gelaufen – natürlich, wie sollte es anders sein, über das Rogen typische steinige Gelände. Wir trauten dem Himmel nicht und legten die Rucksäcke in den Windschutz. Mich würde mal interessieren, ob die Personen, die diese Unterstände so verdreckt hinterlassen, sich nicht darüber ärgern, diese selbst so aufzufinden?! Die Portage des Kanus ging überraschend einfach, hatten wir etwa inzwischen mehr Kraft? Absetzen mussten wir aber nach wie vor, allerdings nicht mehr so häufig. Kaum hatten wir den Windschutz erneut erreicht, fing es auch an zu Regnen. Zu uns gesellte sich eine kleine dänische Familie. Wir unterhielten uns etwas und tauschten Erlebnisse aus. Der Mann musste die Kanus und auch das Gepäck größtenteils komplett allein tragen, da das Kleinkind nicht unbeaufsichtigt bleiben konnte.

In leichtem Nieselregen begannen wir unsere Tour auf dem Rogen in der Bucht Rödviken. Der Wellengang war nicht so hoch, wie wir erwartet hatten. Es war zwar etwas anstrengend, gegen die Wellen und den Wind zu paddeln, aber wir kamen voran. Wir waren auch nicht die einzigen, die auf dem Wasser unterwegs waren, es kamen uns noch weitere Kanuten entgegen. Lediglich das Umfahren der Kläppnäset war ein wenig unangenehm, weil das Kanu leicht seitlich schaukelte, dafür war der Blick auf die aus dem Wasser ragenden Felsbrocken umso faszinierender. Gleichzeitig machten sie auch deutlich, das Gewässer vor uns immer gut im Auge zu behalten.

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Erschöpft erreichten wir schließlich unser Mittagsziel – den Rastplatz südlich von Kläppnäset. Die Herausforderung für uns bestand eher darin, bei den Wellen anlegen zu können. Die großen Felsbrocken am und im Uferbereich machten dies zu keinem einfachen Unterfangen. Wir beschlossen, dass wir hier nächtigen wollten, evtl. noch ein wenig umherwandern, falls sich das Wetter nicht bessern sollte. Während meine Schwester das Mittagsmahl zubereitete (wie immer Tunnbröd mit Wurst und Käse), ging ich auf Erkundungstour – für einen eingezeichneten Rastplatz war es hier ziemlich schlecht ausgestattet. Lediglich Müllbehältnisse befanden sich hier, kein Windschutz, kein Plumpsklo und was viel schlimmer war, ich fand keine Stelle für unser Zelt. Hier gab es einfach viel zu viele mittlere, große und riesige Felsbrocken. Naja, kommt Zeit, kommt Rat.

Alle Sorgen waren verflogen, als wir die Mittagspause beendeten. Der Wind hatte sich gelegt, das Kanu lag ruhig im Wasser und die Sonne kam heraus. So folgte eine fantastische Kanufahrt über einen in der Sonne leuchtenden Rogen. Durch das glatte Wasser hatten wir überall freie Sicht auf den Boden des Sees (zumindest dort, wo er nicht viel zu tief war). Was lagen dort Steinbrocken drin – Wahnsinn. „Sieh mal hier!“ – „Hast du die Brocken gesehen?“ – usw. In der Ferne gingen immer noch Regenschauern nieder, aber über, vor, neben und hinter uns war einfach Traumwetter.

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Wir glitten über den See, hin und wieder ruhig treibend hatten wir schnell die vielen Inselchen zu unserer rechten und auch die Pferdenase (Hästnäset) hinter uns gelassen. Weil die Witterung so traumhaft war, fuhren wir noch in eine Bucht unterhalb des Brustvålen, umrundeten die Insel, machten einige Fotos und so kam es, dass wir bereits am frühen Nachmittag (15:30 Uhr) in Reva ankamen. Auf der ganzen Strecke fuhren wir über riesige Felsbrocken im Wasser, ohne auch nur einen zur berühren. Immer wieder ragten ein paar von ihnen ein paar Zentimeter über die Wasseroberfläche oder befanden sich kurz darunter.

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Wir bauten schnell unser Zelt auf und benutzten die Raststuga als trockenen Aufenthaltsraum und später zum Wäschetrocknen. Danach wurde es allerhöchste Zeit für ein Bad im Rogen und was bot sich da besser an, als die sandige Uferzone in Reva. Kurze Zeit später frischte der Wind auch schon wieder auf, herbei getrieben wurden neuerliche Regenschauern. Dank Ofen und Feuer war es schnell angenehm warm und die gewaschene Bekleidung konnte ebenfalls trocknen. Wir liefen ein wenig umher und so gelangen wir auch zur norwegischen Seite von Reva. Dort stand eine wunderschöne kleine Übernachtungshütte.
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Kurz vor dem Abendessen, wir tranken gerade Tee während das Essen im Beutel garte, tauchten zwei weitere Kanuten auf. Allein würden wir nun also nicht mehr sein! Ein wenig Angst, unseren trockenen und warmen Aufenthaltsraum zu verlieren, hatten wir schon. Wir unterhielten uns mit den eben angekommenen und der ältere Mann (es war der Vater, stellte sich später raus) fragte, ob wir in der Raststuga übernachten würden. Wir verneinten dies und machten ihn auf das Schild aufmerksam auf dem stand, dass die Übernachtung in der Hütte nur in Notfällen gestattet sei und erklärten, dass wir hier lediglich essen und uns aufhalten, wenn es draußen regnen würde, wie zur Zeit. Die Frage, ob sie ein Zelt dabei hätten, wurde bejaht. Sie begannen den Windschutz zu beziehen und ich entschloss mich ihnen fairerweise zu sagen, dass sich auf der norwegischen Seite eine kleine Hütte zum Übernachten befinden würde.
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Herrje! Wir hatten ja schon viel dabei! Aber die beiden schleppten und schleppten und schleppten weiter. Wir dachten an die zahlreichen Portagen bisher und runzelten die Stirn, als dann noch etliche Tetrapaks Milch auftauchten. Ja, sie hätten häufig laufen müssen, sagten sie. Die Reisevorbereitung war anscheinend auch nicht optimal gewesen, am Abend übertrug er noch sämtliche Portagestellen von unserer Karte auf die eigene, da sie darüber überhaupt keine Informationen hatten. Gegen Abend klarte es wieder auf und wir hatten eine herrliche Vollmondnacht.

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