Logo Sarek Tour
W O L F - Fotographie
Leerfeld schwarz
 


Allgemeine Informationen zum Sarek Nationalpark

Thumb 1

Der Sarek Nationalpark befindet sich in schwedisch Lappland. Er ist einer der ersten (gegründet 1909) und bis heute einer der größten (ca. 197.000 ha) Nationalparks Europas. Er bildet zusammen mit anderen Nationalparks (Padjelanta, Stora Sjöfallet und Muddus) und einigen Naturreservaten das 940.000 ha große Laponia. Laponia wurde 1996 in die Liste des UNESCO Weltnaturerbe aufgenommen.

Die Natur im Sarek ist weitestgehend unberührt und vermutlich wird der Sarek deshalb auch häufig als "die letzte Wildnis Europas" bezeichnet. Dieser Wildnischarakter wurde mit der Ernennung zum Nationalpark unter Schutz gestellt. Das bedeutet auch, das nichts unternommen wird, um dem Wanderer die Tour dort in irgendeiner Art und Weise zu erleichtern.

So gibt es dort weder markierte Wanderwege, nur wenige Brücken (d. h. bis auf wenige Ausnahmen müssen die Flüsse zu Fuß durchwatet werden) und keine Übernachtungshütten. Einzige Ausnahme stellt der Fernwanderweg Kungsleden dar, der den Rand des Sarek im östlichen Bereich streift.

Thumb 1

Aber genau dieser Teil des Sarek zeigt, wie schnell es Änderungen aufgrund wirtschaftlicher Interessen geben kann. Das Rittak-Tal - heute ein Stausee - gehörte ursprünglich zum Nationalparkgebiet. Zum Zweck der Energiegewinnung wurde dieses Gebiet ausgegliedert, gleiches geschah im angrenzenden Nationalpark Stora Sjöfallet. Stora Sjöfallet, bedeutet zu deutsch "großer Seefall". Dieser Wasserfall ist heute tot, weil ein Stück oberhalb eine Staumauer errichtet wurde. Das Tal, wo sich heute der Akkajaure befindet, wurde aus dem Nationalparkgebiet ausgegliedert und überflutet. Die Weideflächen wurden unbrauchbar. Ebenso kann das Tal als Durchzugsgebiet der Rentiere nicht mehr genutzt werden. Allerdings wurde im Gegensatz zum Stora Sjöfallet als Ausgleich das Gebiet um Pårek in das Sarek Nationalpark eingegliedert. Das Gebiet um Pårek ist wald-, sumpf- und seenreich und beherbergt eine hohe Vogelpopulation.

Wer im Sarek unterwegs ist, ist garantiert nicht einsam - auch wenn man dies zunächst glauben mag. Den Sarek durchqueren jährlich tausende Wanderer und diese Wanderer hinterlassen Spuren. Der Sarek ist ein arktisches Gebiet, eine Taigalandschaft. Er ist eine Region in der Permafrost herrscht. So taut dort der Boden im Sommer nur bis zu einer Tiefe von 2 Metern auf. Desweiteren liegt dort über ein halbes Jahr Schnee, die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei gerade mal bei 5 °C. Allein diese Information sollte bei jedem Naturfreund ausreichen, damit einem klar wird, wie empfindlich die Natur dort ist, das geschädigte Vegetation Jahrzehnte braucht um sich zu erholen und das selbst Biomüll ewig benötigt, bis er verrottet ist.

Von daher sollte es für jeden Wanderer selbstverständlich sein, die inzwischen entstandenen Fußpfade in den Hauptälern nicht noch breiter auszutreten, nicht überall neue Zelt- und Lagerplätze zu errichten, sondern vorhandene zu benutzen, das gleiche gilt für Feuerstellen (sofern man denn wirklich unbedingt ein Feuer benötigt) und auch seinen Müll mitzunehmen. Die Erfahrung hat uns leider anderes gelehrt, von Alutüten im Eingang einer Lemminghöhle, Müll an Lagerplätzen, breite Pfade durch sumpfige Gebiete bis hin zu Essensresten, die einfach liegen gelassen wurden.

So ist es auch kein Wunder, dass von der schwedischen Regierung 1987 ein Gesetz über die Verhaltensweisen im Sarek erlassen wurde. Dieses Gesetz soll die Natur im Sarek schüzten (den Wildnischarakter erhalten) aber auch gleichzeitig den Sami die Rentierzucht ermöglichen. Verstöße sollen mit hohen Geldstrafen und einem Nationalparkverbot geahndet werden.

Entstehung der heutigen Region des Sarek Nationalparks

Das Gebirge des Sarek Nationalpark stammt vom 440 Mio. Jahre alten kaledonischen Gebirges ab. Die heutige Landschaft des Sarek hingegen ist nur wenige 10.000 Jahre alt.

Das kaledonische Gebirge ist entstanden, als die Kontinte Laurentia, Baltica und Avalonia zusammenstießen. Dabei wurde die Oberfläche Balticas "abgehobelt" und zu einem Gebirge aufgetürmt. Durch hohen Druck und hohe Temperaturen wurde auch Gestein umgewandelt.

Schaut man auf Landkarten, fällt einem der Sarek schnell auf, was nicht nur mit den vielen Gletschern dort zurück zu führen ist, sondern auch dadurch, dass die Gipfel der Sarek-Berge höher sind, als die der umgliegenden Gebirge. Einzige Ausnahme bildet das Kebnekaisemassiv etwas nördlicher. Es überragt den höchsten Gipfel des Sarek um ca. 22 Meter. Im Nationalparkgebiet des Sarek gibt es über 200 Gipfel, die eine Höhe von 1.800 Meter überschreiten, knapp 30 davon sind sogar 2.000 m und höher. Das größte Gebiet des Sarek ist kahles Gebirge, bewaldete Gebiete findet man nur in den östlichen tiefer gelegenden Tälern oder in der Region um Pårek.

Westlich des Sarek befindet sich die Padjelantahochebene, die überwiegend aus "weichem" Ton- und Kalkstein besteht, was im Laufe der Zeit stark verwittern und abgetragen werden konnte.

Thumb 1

Der Sarek selbst besteht aus Amphibolit, das aus dem Basalt des Meeresbodens enstanden ist. Amphibolit ist sehr hart, die Farbe des Gesteins ist dunkel. Das Gestein ist also verwitterungsresistent - was die hohen Gipfel erklärt - aber auch die dunkle Farbe des Gesteins ist im Sarek heute noch charakteristisch.

Thumb 1

Der östliche Rand des Nationalparkgebietes war zu weit von den Kontinentalplatten entfernt. Deshalb wurde das Gestein des ehemaligen Meeresbodens nicht verschoben, sondern ragt in Form von Klippen oder Blöcken aus der Landschaft heraus. Als Beispiel kann man die Berge Skierffe oder Tjahkkelij nennen.

Thumb 1

Maßgeblich geformt wurde die Landschaft des Sarek durch die letzten Eiszeiten. Das "ewige Eis" hat die Haupttäler, aber auch die zahlreichen höher gelegenen Täler geformt. Die Haupttäler im Sarek liegen auf einer Höhe von etwa 600 - 900 m, die umliegenden Gipfel ragen damit durchschnittlich 1.000 m steil in die Höhe hinauf.

Noch heute ist dort die Kraft des Eises allgegenwärtig. Im Sarek gibt es über 100 Gletscher, die ungefähr 7 % der Nationalparkoberfläche bedecken. Darunter befindet sich auch Schwedens 4.-größter Gletscher, der Pårte. Die Gletscher haben sich in geschützten Tälern neu gebildet und stammen somit nicht von den Eiszeitgletschern ab. Einige dieser Gletscher sind für den Wanderer leicht zugängig, haben tonnenweise Geröll transportiert und meterhohe Moränen aufgeschüttet.

Thumb 1

Für die jüngsten Veränderungen im Sarek ist das Wasser verantwortlich. Durch die vielen Gletscher und stark strömenden Bäche und Flüsse ist das Wasser sedimentreich. Immer dann, wenn das Wasser die Fließgeschwindigkeit reduziert, sinkt das mittransportierte Material zu Boden. So sind z. B. Schwemmfächer, Mäander- und Deltalandschaften enstanden.

Schwemmfächer sind kegel- oder fächerförmig. Sie entstehen beim Übergang vom Seiten- ins Hauptal, wenn das Wasser aus steilen Bächen stark abgebremst wird. Das mittransportierte Material sinkt zu Boden und der Bach verzweigt sich in mehrere Arme.

Deltalandschaften gehören wohl zu den faszinierensten Landschaftsformen. Eines der schönsten Flussdeltas Europas befindet sich am östlichen Rand des Sarek, das Laitaure-Delta. Der Rapaäthno ist ein sedimentreicher Fluss, der in den Laitaure (ein See) mündet. Die Fließgeschwindigkeit des Wassers wird im Mündungsbereich stark verringert. Auch hier sinkt all das Material zu Boden, was zu schwer für den weiteren "Transport" ist. Durch immer neue Ablagerungen verändern sich Deltalandschaften nicht nur ständig, sondern verschieben die Uferlinie immer weiter in den See hinein, bis der See irgendwann vollständig aufgefüllt ist. Das Laitaure-Delta wächst jährlich um 5 Meter!

Thumb 1

Im Vergleich zu den beiden vorherigen "Wasserlandschaften", wird das Wasser bei Mäanderlandschaften nicht plötzlich abgebremst. Sie enstehen in Ebenen, wo ein Fluss oder auch ein Bach bogenförmig verläuft. An den Außenseiten ist die Fließgeschwindigkeit des Wassers hoch. Das führt dazu, dass Sedimente abgetragen werden. Diese Sedimente sinken an den Innenseiten der Bögen wieder zu Boden, weil dort das Wasser langsamer fließt. So vergrößern sich die Flussschlingen ständig, bis sie sich irgendwann selbst den Weg abschneiden. Auf diese Weise können Altwasser entstehen. Altwasser sind vom fließenden Wasser abgeschnittene Flussarme.

Thumb 1
Der Mensch im Sarek

Es gibt keine Hinweise darauf, dass der Sarek dauerhaft bewohnt war. Einzige Siedlungsspuren findet man man westlichen Ende des Álggavágges, als dort im 16. Jahrhundert Silber und Erz abgebaut wurde. Aus dieser Zeit stammt auch die 1787 fertig gestellte Kapelle. Die Siedlung wurde jedoch 1860 aufgegeben. 1961 wurde die Kapelle restauriert und wiedereröffnet. Mindestens einmal im Jahr wird dort ein Gottesdienst abgehalten. An den Wänden im Innenraum der Kapelle befinden sich Kerzen in Halterungen mit goldfarbenen Spiegeln, die das Licht reflektieren und so den Raum mit warmen Licht ausleuchten. Die Ausstattung ist schlicht – Bohlen, die auf Balken verteilt Bänke ergeben und ein einfacher Altar, mit einem Kreuz aus zwei Ästen.

Ansonsten diente bzw. dient der Sarek heute noch drei Samidörfern (Sirges, Jåhkågasska und Tuorpon) als Sommerweide und die Täler als Durchzugsgebiet zum heutigen Padjelanta Nationalpark.

Thumb 1
(Quelle Informationen zur Entstehung des Sarek: Outdoor - der Weg ist das Ziel, Schweden: Sarek von Rebecca Drexhage und Benjamin Hell; Conrad-Stein-Verlag)