Logo Sarek Tour
W O L F - Fotographie
Leerfeld schwarz
 


Skárjá - Álggajávrre
Tourtag 8 bis 11 / 14. bis 16. September 2010

14. September

Am nächsten Morgen regnete es immer noch und da wir durch die Tourumplanung nun viele Reservetage hatten, beschlossen wir zunächst abzuwarten, bis es etwas aufklaren würde, um dann einen Abstecher zum Mihkájiegna-Gletscher zu unternehmen.

Wir hielten uns auf Höhe der größten Moräne mit der Markierung 2005 und blickten von dort ins Tal hinüber zum Gletscher, der sich – wie wahrscheinlich die meisten – in den letzten fünf Jahren stark zurückgezogen hatte.

Thumb 1

Durch das gesamte Gletschertal zogen sich weitere Moränen, mal größer, mal kleiner durch eine Steinwüste. Es ist immer wieder überwältigend, vor einem Gletscher zu stehen und zu sehen welche Kraft in ihm steckt … in diesem Eis, das aussieht, als würde es sich nicht bewegen.

Ich stellte mir vor, wie die Täler vor vielen Jahrzehnten, Jahrhunderten und Jahrtausenden noch mit Eis bedeckt waren und wie sich das Eis durch die Täler geschoben hat, wie die Hochtäler, Trogtäler und die anderen Täler von ihm geformt wurden.

Thumb 1
Es begann wieder zu Regnen und auch der Wind wurde stärker. Von daher kehrten wir um, anstatt noch etwas näher an den Gletscher heran zu laufen, oder den Máhtutjåhkkå zu erklimmen. Wind und Regen ließen erst am späten Abend wieder nach – von daher folgte dem Gletscherausflug ein ruhiger Zeltnachmittag.
Thumb 1   Thumb 1

15. September 2010

Die Regenschauer waren über Nacht nicht weniger geworden, eher im Gegenteil. So machten wir uns auf den Weg zum Álggavágge. Schade war, dass neben dem Regen auch die Wolken sehr tief in den Tälern hingen. Die Aussicht auf das Mäander bei Skárja wäre sicherlich sehr schön gewesen.

Thumb 1

Die einzige nennenswerte Schwierigkeit des Tages war für uns die Durchquerung des Guopherjåhkå. Das Wasser sollte lt. Wanderführer ja überhaupt kein Problem sein. Zum ersten Mal standen wir für kurze Zeit bis zur Oberschenkelmitte im Wasser. Es waren zwar nur ein paar Schritte, aber die Strömung machte das Unterfangen nicht einfacher. Zudem sah man überhaupt nicht wo man hintrat und konnte sich nur vorsichtig mit den Füßen vortasten. Die Auswirkungen des Regens machten sich nun allmählich bemerkbar, was steigende Pegel der Flüsse und Bäche bedeutete. In Kvikkjokk am Ende der Tour erfuhren wir, dass der Regen ausgereicht hatte, um das Rapaselet wieder „schiffbar“ zu machen. Der Hüttenwart in Aktse konnte so zum Ende Saison noch einen Ausflug zum Nammásj unternehmen.

Thumb 1

Wir folgten dem Pfad hinauf ins Álggavágge, passierten die Tür im Rentierzaun und setzten die nun ganz einfache Wanderung durch das enge, ebene und grasbewachsene Tal fort. Ruck zuck hatten wir die Wasserscheide beim Áhkájjåhkå erreicht. Wenn man zuvor so etwas noch niemals beobachten konnte, ist das schon faszinierend. Das Wasser des Áhkájjåhkås fließt hier zum einen in Richtung Skárja und durch das Rapadalen zum Laitaure und zum anderen durch das Álggavágge zum Álggajávrre und schließlich über den Fluss Miellädno in den Virihaure.

Thumb 1   Thumb 1

Wir kamen zunächst sehr gut voran, ein paar Kilometer vor dem Abfluss des Vattendelarglaciären wurde es etwas hügeliger, weidengestrüppiger und sumpfiger. Es war den gesamten Tag regnerisch und windig, wobei wir Glück hatten und die stärkeren Regenschauer nicht abbekamen, die zogen durch die verschiedensten Seitentäler immer an uns, bzw. vor oder hinter uns, vorbei.

Vor dem Abfluss des Vattendelarglaciären bauten wir im Windschutz eines Hügels unser Zelt auf … bis sich der Wind ein paar Stunden später drehte und wir nun doch ungeschützt im Wind standen. Gegen diese Böen war der Sturm bei Skárja ein laues Lüftchen gewesen. Ich pellte mich nochmal aus dem Schlafsack, ging in den Regen und Wind, prüfte die Häringe, die aber allesamt nach wie vor fest im Boden steckten und beschwerte sie sicherheitshalber nochmal mit Steinen – vor allem die der Aspisen, wo die Rucksäcke drunter lagen.

16. September 2010

Nachdem ich die Ohrenstöpsel entfernte hörte ich … NICHTS!!! Es war zwar immer noch bewölkt, die Berge waren ab ca. 1.200 m weiß gepudert und hier und da sah man ein Stück blauen Himmel. Was für ein Bild, herrlich!

Thumb 1

Bevor wir losliefen schaute ich mir den Fluss an, den es zu durchwaten galt. Sah flach und vollkommen unproblematisch aus, wir konnten die Wanderstiefel zum waten anziehen. Die ersten beiden Flussarme waren tatsächlich kein Problem. Beim Dritten scheiterten wir dann. Also doch die Watschuhe an und …. brrrrrrrr, Sch*****, war das kalt! Ich glaube, mir hätte ein Felsen auf die Füße rollen können, ohne dass ich es gemerkt hätte, ebenso wie man kurz darauf lediglich an den Händen fühlte, dass man etwas abtrocknete.

Nach ein paar Metern wandern waren auch die Füße wieder warm und gegen Mittag erreichten wir die Alkavare Kapelle auf einer Anhöhe am westlichen Ende des Álggajávrre.

Thumb 1   Thumb 1
Thumb 1

Der letzte Abschnitt des Álggavágges war nicht ganz so leicht zu gehen, wie der erste Teil vom Vortag, aber auch nicht besonders schwer, allerdings anstrengend. Es ging durch hügeliges Gelände mit und ohne Weidengestrüpp, sumpfig und trocken sowie durch kleinere Bäche.

Inzwischen hatte sich auch die Sonne durchsetzen können, auch wenn tief im Álggavágge nach wie vor die Wolken dominierten. Wir stellten verdutzt fest, dass die Kapelle nicht abgeschlossen war, nur hinderte uns die Höhe der Rucksäcke am Eintreten. Diese legten wir im Windschatten der Kapelle ab und ruhten uns dort etwas aus. Danach stand der Besichtigung nichts im Weg.

Thumb 1 Thumb 1 Thumb 1

Die Álkavare Kapelle ist einfach ausgestattet und sieht rein äußerlich eher aus wie eine einfache Hütte. Errichtet wurde sie auch Bruchsteinen. An den Wänden im Innenraum befanden sich Kerzen in Halterungen mit goldfarbenen Spiegeln, die das Licht reflektieren und so den Raum ausleuchten können. Die Ausstattung ist schlicht – Bohlen, die auf Balken verteilt Bänke ergeben und ein einfacher Altar, mit einem Kreuz aus zwei Ästen. Die Kapelle stammt noch aus einer Zeit, als hier im 16. Jahrhundert Silber und Erz abgebaut wurde. Sie wurde 1787 fertiggestellt, aber wie die Siedlung um ca. 1860 aufgegeben. 1961 wurde die Kapelle restauriert und wiedereröffnet. Jetzt wird an mindestens einmal im Jahr ein Gottesdienst dort abgehalten. Geübte Augen mögen noch die Grundmauern der Gebäude der Silber- und Erzbausiedlung erkennen, für uns unterschieden sie sich kaum von der übrigen Landschaft.

Thumb 1

Wir verewigten uns im Gästebuch, warteten die nächste Regenschauer ab, die dann doch ausblieb und begaben uns zu den Booten am See. Auf unserer Seite lag leider nur eines, was hieß, dass wir bei dem starken Wind drei Mal rudern durften. „Wir“ hieß, mein Mann rudert und ich gab die Richtung an. Bevor es losgehen konnte mussten wir zunächst das Ruderboot ausgießen und über das steinige Ufer ins Wasser ziehen. Es blieb uns gar nichts anderes übrig, als das einer mit Schwung das Boot durchs Wasser schob und dann hineinsprang, während der zweite schon zu rudern anfing, da es durch den Gegenwind schnell zurückgetrieben wurde und wieder auf Grund lag.

Auf der anderen Seeseite befanden wir uns bereits im Padjelanta Nationalpark - landschaftlich konnte man schnell eine Änderung bemerkten. Ist der Charakter des Sarek eher durch hohe Berge und enge Täler geprägt, ändert sich die Landschaftsform schon am Ende des Álggavágge. Das Gelände ist offener, die Täler breiter, die Berge nicht mehr ganz so hoch - auch wenn einzelne wenige "Gipfelgruppen", wie z. B. das Álátjåhkkå-Gebirge, eine Höhe von 1.300 m überschreiten. Sie wirken allerdings durch den offenereren Charakter der Landschaft nicht mehr so mächtig, wie die Berge im Sarek.

Thumb 1 Thumb 1 Thumb 1

Wir suchten uns einen Weg unterhalb des Nuortap Rissávárre den hügeligen Berg hinauf. Wir querten den Bach bei ca. 870 m Höhenmetern und schlugen auch dort unser Zelt auf – warum weiterlaufen, wenn man die Sonnenstrahlen, auf einem Felsen sitzend, mit einem Buch in der Hand und Aussicht auf den Álggajávrre und das Álggavágge genießen kann. Es bot sich auch an hier zu bleiben, weil wir am nächsten Tag, bei gutem Wetter – d. h. ohne wolkenverhangene Berge, auf den Nuortap Rissávárre wollten.