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Álggajávrre - Kvikkjokk
Tourtag 11 bis 16 / 17. bis 21. September 2010

17. September 2010

Den Abstecher auf den Nuortap Rissávárre verschoben wir auf ein anderes Mal. Der Sarek befand sich wieder einmal in Wolken und Regen. Aus Süd-Osten zogen immer wieder neue Schauern und dicke dunkle Wolken herbei, die über die Padjelanta-Hochebene, knapp an unserem Zeltplatz vorbei, weiterzogen.

Wir durchwateten den Rissájåhkå kurz vor der Mündung des Baches, der vom Nuortap Rissávárre herabfließt. Schon von weitem hatten wir schon den schönen kleinen Wasserfall gesehen, den der den Rissájåhkå etwa auf 900 m Höhe bildet und befürchtet, eine schwerere Flussdurchwatung vor uns zu haben.

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Wir wanderten am z. T. sandigen Ufer des Lulep Rissájávrre entlang. Vor dem Rissájávrre versperrte uns ein Rentierzaun den Weg. Aber statt wie im Wanderführer beschrieben hinüber zu klettern, stiegen wir ein Stück den Berg hinauf und gingen durch die hinab hängenden Streben des Zaunes (ich nehme mal an, sie wurden wegen des Gerölls hier anstelle des Maschendrahtes benutzt, damit der Zaun nicht ständig umgerissen wird).

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Vom Rissájávrre nahmen wir den mehr oder weniger direkten Weg zum Duottarjávrre und hielten uns dabei etwa auf 900 – 940 Höhenmetern. Schwierige Passagen gab es auf der gesamten Tagesstrecke nicht zu bewältigen, die Steigungen waren sanft, der Abstieg ebenso, die sumpfigen Stellen nur mäßig feucht und so erreichten wir am frühen Nachmittag nach einer letzten Flusswatung die Tuottarstugorna. Während der Tour war es überwiegend bewölkt gewesen. Regen hatten wir bis auf ein paar Tropfen keinen abbekommen, er war immer um uns herumgezogen.

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Die Tuottarstugorna waren, wie alle Hütten hier zu dieser Zeit, nicht mehr bewirtschaftet. Anfang September wurde die Sommersaison beendet, die Hütten waren nun geschlossen. Aber das war uns schon vor Tourantritt bekannt gewesen. Eine Hütte mit Nottelefon stand noch für Wanderer offen, man musste nur nach der Antenne suchen, um die richtige Hütte ausfindig zu machen. Wir hatten genug Zeit um uns und die Klamotten zu waschen, die wir dann dank Gasheizung auch schnell trocken bekamen. Wir schliefen zum ersten Mal seit langem in einem bequemen Bett, hatten es angenehm warm und saßen an einem richtigen Tisch auf richtigen Stühlen. Nebenbei bemerkt, die Hütte war Tip-Top sauber! Es war alles da, selbst Papiertücher zum Abtrocknen. Am Abend saß ich noch eine Weile mit Jacke und einer Tasse Tee auf der Veranda, um mich von dem allmählich abendlich verfärbenden Himmel über der Hochebene des Padjelanta verzaubern zu lassen. Natur ist einfach was wunderbares!

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18. September 2010

Wolken und Nebel über dem Sarek, sonnig und kaum Wolken über uns. Ein herrlicher und kalter Morgen. Eine Rentierherde lies sich von mir nicht stören und tat sich gütlich am Gras neben der Hütte. Es hatte Nachtfrost gegeben, aber nachdem die Sonne aufgegangen war, zeigte das Thermometer vor dem Fenster der Hütte im Schatten schon 3,5 °C an.

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Wir wanderten bei Sonnenschein und … was war DAS??? Bohlenstege … teilweise hunderte Meter lang … ganz ungewohnt. Nur über die Flüsse bzw. Bäche (bis auf wenige Ausnahmen) führten keine Brücken und wir durften wie im Sarek waten; wäre ja andernfalls ziemlich langweilig geworden. Es war ein wenig hügelig, aber über den gekennzeichneten, ausgetretenen und gut begehbaren Weg war es überhaupt kein Problem schnell voran zu kommen. Die Landschaft war schön, weit und offen. Auf dem Weg zu den Tarraluoppalstugorna eröffneten sich immer wieder Blicke hinüber zu den verschneiten Gipfeln des Sarek.

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Bereits gegen Mittag passierten wir den Übergang vom Gårråjávrátja in den Gieddoajvejávrátja und erreichten am frühen Nachmittag die Tarraluoppalstugorna. Es war zwar nicht mehr so klar wie am morgen und auch die Sonne versteckte sich immer häufiger hinten den Wolken, aber nach der Feuchtigkeit und Nässe der vergangenen Tage richtig angenehm – wahrscheinlich auch, weil wir endlich mal wieder ohne Regenjacke und -hose laufen konnten.

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Wir teilten uns eines der wenigen verbliebenen Snickers, dafür bekam jeder ein Pick-Up. Wegen des schönes Wetters blieben wir auf der Veranda der Nothütte sitzen. Nichts desto trotz war es einfach zu früh, um die Tagestour hier enden zu lassen. So beschlossen wir, den Padjelantaleden Richtung Såmmarlappa weiter zu folgen, aber noch vor der Baumgrenze das Zelt aufzuschlagen.

Wir fanden ein schönes Plätzchen etwa 4-5 Kilometer hinter Tarraluoppal bei einem kleinen Bach. Die Sonne war inzwischen auch wieder zu sehen und lies sich erst wieder daran hintern, uns mit ihren warmen Strahlen zu verwöhnen, als sie hinter den Bergen verschwand.

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19. September 2010

Der Himmel war mit einem grauen Wolkenschleier durchzogen, nur selten kam die Sonne durch. Meist ging es durch Sumpf und Wald, bergauf und bergab, durch Flüsse aber auch über Brücken.

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Aussicht auf der Fjällwelt hatten wir im Vergleich zu den vorangegangenen Tagen nicht häufig - und die wenigen wurden natürlich zum fotografieren genutzt - dafür erschreckte ich einen Lemming fast zu Tode. Das war überhaupt nicht meine Absicht gewesen! Plötzlich quiekte etwas lautstark neben mir. Ich schaute nach oben, nach unten und dann sah ich ihn, diesen süßen kleinen Kerl, im hohen Gras sitzend, der mich mit weit aufgerissenen Maul und großen Augen anquiekte. Ich hatte nur wenige Zentimeter von ihm entfernt beim Laufen meinen Wanderstock in den Boden gerammt und ihn dabei fast aufgespießt. Er quiekte weiter und floh nicht, kurz drauf wussten wir auch, warum er nicht weglief. Ich stand direkt auf seinem Fluchtweg und er war nicht in der Lage, über die hohen Gräser zu laufen. Wir gönnten dem Tierchen seine Ruhe und hofften, dass er nicht wenig später allein durch die Aufregung Tod umfiel. Tote Lemminge hatten wir schon sehr viele gesehen, ebenso viele lebende.

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Da wir meist nur durch Wald liefen und kaum Orientierungspunkte hatten, zogen sich die Kilometer bis zur Såmmarlappastugan. Meine Füße schmerzten und waren feucht, so war ich dann heilfroh, als wir die Hütte endlich erreichten. Wir hatten beide keine Lust mehr weiter zu laufen, auch wenn es noch früher Nachmittag war, zumal die Sonne wieder zum Vorschein kam. Zeit hatten wir ohnehin genug. Also bezogen wir den Notraum, beseitigten den Dreck der Wanderer vor uns und verbrachten den restlichen Nachmittag am Ufer des Tarraätno. Meine Schuhe durften oberhalb des Ofens trocknen.

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Gegen Abend – ich fing gerade an zu kochen – bekamen wir Besuch von zwei jungen Wanderern, die vergeblich hofften, dass die Hütte mehr als nur zwei Betten hatte. So stellten sie sich bis zum Ende des neuerlichen Regens unter und zogen dann weiter.

Mein Mann kam auf die pfiffige Idee für die Nacht – wir gingen davon aus, dass es wieder Nachtfrost geben würde – Steine auf den heißen Holzofen zu legen, damit kein Holz nachgelegt werden musste … die Hütte war aber entgegen unserer Vermutung gut isoliert … und hätten wir Wasser auf die Steine gegeben, wäre die Sauna perfekt gewesen.
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20. September 2010

Es soll ja niemand behaupten, auf solchen Touren müsse man auf ein luxuriöses Frühstück verzichten müssen! Zum Frühstück gab es wieder einmal, nur diesmal auf einem richtigen Herd, Rührei mit gebratenem Schinken. Lecker!

Wir setzten unsere Waldwanderung fort, immer wieder mit Ausblicken auf den Tarraätno. Am Anfang ging es etwas schleppend voran, es war sumpfig und steinig, man musste zur Abwechslung mal wieder genau schauen, wo man hintrat. Hin und wieder war der Wald etwas lichter und gab den Blick auf die umgebenden Berge frei.

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Nach der langen „baumfreien“ Zeit, war die Wanderung durch den Wald eine willkommene Abwechslung und genau genommen die dritte Landschaftsform, die wir seit dem Sarek durchwanderten.

Kurz bevor der Nordkalottleden auf den Padjelantaleden stößt, durchquerten wir ein breites, steiniges Flussbett, mit ein paar kleineren Wasserläufen – Wahnsinn, was hier an Wassermassen während der Schneeschmelze wohl durchtoben? Kurz darauf ein weiteres Geröllfeld, das eher wie eine Steinlawine aussah.

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Mit Blick auf den Tarraure näherten wir uns rasch der Tarrekaisestugan. Mein Mann wollte gern noch weiter laufen – ich nicht unbedingt. Außerdem war es schön hier am See. Aber Mäuse gab es hier! Also immer schön die Türe zur Hütte schließen!

Wir saßen wieder bis Sonnenuntergang auf der Veranda. Es folgte eine kalte, klare Vollmondnacht.

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21. September 2010

Die Wanderung von Tarrekaise nach Njunjes war einfach und mit schönen Aussichten. Insbesondere die weite Aussicht vom Hügel kurz vor der Njunjesstugan war herrlich. Nur die Sonne fehlte, sie war bereits am Morgen hinter Wolkenschleiern verschwunden.

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Der Abstieg hinunter zur Stugan war anstrengend. Dafür erwartete uns ein großer Holzstuhl und eine Liege neben der Hütte. Wir legten eine Mittagsrast ein und überlegten, ob wir es wohl noch bis Bobäcken schaffen würden. Die angeschlagenen Kilometer ließen uns zweifeln, aber machbar war es, wenn es sich gut laufen lassen würde.
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Wir machten uns auf den Weg und es lies sich gut laufen. Eben, und nur selten ein schmaler Pfad, meist so breit, dass man mit dem Schneeskooter oder einem Quad ebenfalls hier langfahren konnte. Kaum Steigungen, Brücken über Flüsse und Holzstege über sumpfige Gebiete. Der Weg führte uns immer durch den Wald, wenig abwechslungsreich, wie zu Beginn der Tour.

Leider fing es langsam an zu regnen. Unterwegs legte ich den Akku in das Handy ein und war froh, dass er nicht leer war. So konnte ich Björn anrufen. Es war kein Problem für ihn, uns an diesem Abend in Bobäcken abzuholen.

Eineinhalb Stunden vor der vereinbarten Zeit trafen wir an der neu errichteten Kåta in Bobäcken an. Lt. Hinweisschild hätten wir, wenn die Akkus leer gewesen wären, weiter bis zur alten Siedlung Kvikkjokks weiterlaufen können. Dort wäre eine weitere Tafel, auf der stehen würde, was man weiter zu tun hätte.

Pünktlich traf Björn ein und chauffierte uns über den Tarraätno und durch den Regen zurück nach Kvikkjokk. Unterwegs arrangierte er eine warme Mahlzeit für uns in der Fjällstation. Wir aßen dann später mit ihm und einem weiteren Mann, mit dem er im Wald zusammen gearbeitet hatte, zu Abend. Für den Fall, dass es, wie vorhergesagt am nächsten Tag gutes Wetter geben würde, vereinbarten wir eine Bootstour durchs Kvikkjokkdelta, die wir tatsächlich – neben dem Aufstieg zum Prinskullen – bei bestem Wetter unternehmen konnten.
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